Alles anders – wie sich mein Spielerverhalten geändert hat

Alles anders – wie sich mein Spielerverhalten geändert hat

Alles anders – wie sich mein Spielerverhalten geändert hat

Masterweit Blog, Textbeitrag 20. März 2017 Comments

Eigentlich spiele ich alles. Ich habe mich an jedem Genre versucht, alles gespielt was mir in die Hände kam. Aber mittlerweile hat sich das gewandelt. Liegt das an mir? Liegt es an der Industrie? Ein Erklärungsversuch.

Ich habe sehr viele Spiele in meinem Regal stehen. Und ich habe noch weit mehr Spiele in digitalen Spieledatenbanken. Aber leider geht es mir nicht wie dem blinden Jorge Luis Borges, der von einem Assistenten durch die argentinische Nationalbibliothek geführt wurde und jedes Buch gelesen hatte. Ganz im Gegenteil, ich habe wenige Spiele aus meinem Bestand wirklich gespielt und die wenigsten habe ich durchgespielt. Das mag jetzt nicht sehr nach einem Spielenthusiasten klingen, aber die Zusammensetzung ist natürlich nicht unwichtig. Ich habe zum Beispiel ganze Reihen im Regal stehen die ich komplett gespielt habe (Splinter Cell, Halo). Aber dann steht da zum Beispiel Resident Evil 4. Ich bin ein großer Fan dieses Spiels, aber ich habe es nie durchgespielt. Daneben steht Gray Matter. Ein tolles Adventure, das ich ebenfalls nicht zu Ende gebracht habe.

So geht es mir auch mit anderen Spielen die ich ja eigentlich sehr gerne mag, da wären Destiny, Metal Gear Solid: Peace Walker und Rainbow Six Vegas, aber auch Beyond: Two Souls, LA Noire und Mittelerde: Mordors Schatten. Digital schlummern noch weitere Perlen die ich nie zu Ende gebracht habe: Murdered: Soul Suspect, Battlefield 3, Lords of the Fallen, Resident Evil 1, Hitman Absolution und unzählige weitere.

Aber wie kommt das? Ich nehme mir regelmäßig vor eines dieser oftmals kurz vor dem Ende gestoppten Spiele endlich mal abzuschließen. Das ist mir bisher genau viermal gelungen: Bei Alan Wake, Just Cause 3, Mad Max und bei Splinter Cell: Double Agent. Denn wenn ich mich ein Mal durchringe ein Spiel doch noch zu beenden, dann mache ich es meist in einer Session direkt. So habe ich zum Beispiel Day of the tentacle Remastered (allerdings nach 3 Durchläufen im Original) an einem Abend geschafft, genau wie Splinter Cell: DA. Das könnte auch noch Mittelerde, R6 und die Resident Evils ereilen. Aber die Frage ist doch – warum lasse ich es überhaupt so weit kommen und ziehe nicht gleich alles durch?

Die Antwort ist eine etwas abgedrehte und zudem zweigeteilte:

  1. Ich bin undiszipliniert (und das ist nicht nur auf Videospiele bezogen, Grüße an meine alten Lehrer).
  2. Ich bin faul.
  3. Ich kaufe Spiele auch Online.
  4. Ich spiele gerne Casuals.

Wie passt das denn nun zusammen? Nehmen wir mal die Situation in der mir das auch bei mehreren Versuchen immer wieder widerfahren ist: The Last of Us. Ein tolles Spiel, mag sein. Aber es hat mich nicht gefesselt. Und damit wären wir beim Zyklus der Hölle (Es geht nicht um die Menstruation, liebe Hobby-Biologen). Bei einem Spiel dass mich nicht fesselt, schalte ich schnell ab und quäle mich nicht mehr. Das muss ich mir nicht antun, das macht mir keinen Spaß (Punkt 1). Weil ich allerdings zu faul wäre aufzustehen um eine andere Blu-Ray einzulegen (Punkt 2), gehe ich in diesem Fall in meinen PlayStation Startbildschirm und wähle ein Spiel aus das ich aus dem Store heruntergeladen habe (Punkt 3), was in meinem Fall jedoch ausschließlich Sportspiele und damit Casuals sind (Punkt 4).

Rory McIleoy PGA TOUR

Ja, das spiele ich.

Und dann bleibe ich auf FIFA, NHL, PGA Tour und F1 hängen. Manchmal für Tage, manchmal für Wochen. In dieser Zeit verliere ich jegliches Interesse an den Spielen die ich eigentlich zugunsten der Casuals liegen ließ. Und das ist im Prinzip allen diesen Spielen die ich genannt habe widerfahren. Und das nur, weil es Stellen gab, an denen ich mit dem Spiel nicht so richtig warm wurde. Randal’s Monday habe ich bis zum letzten Level gespielt, bin eine Woche nach Stockholm gefahren, kam zurück und habe es bis vor kurzem, als ich es dann endlich zu Ende gebracht habe, nicht mehr gestartet. Warum weiß ich nicht.

Als ich dieses Phänomen herausgefunden habe, habe ich mir gedacht, ich starte jetzt eine Komplettierungsoffensive. Und so gehe ich denn nun dahin und gebe alles. Für Just Cause 3 und Splinter Cell: DA hat es wie bereits erwähnt schon gereicht, Alien: Isolation soll bald folgen zusammen mit Resident Evil 4 und SOMA (ziemlich horrorlastig, vielleicht schiebe ich noch Styx ein).

Das tolle ist, dass ich bereits weiß, dass es nie so kommen wird. Dominik Maroh wird Ripley weggrätschen, Leon wird von Rasmus Ristolainen gebodycheckt werden und der Protagonist von SOMA von Lewis Hamilton überfahren. Aber ich versuche es. Immer wieder aufs Neue.

Und an dieser Stelle kommt dann der andere Bereich hinein, denn wer die Einleitung gelesen hat wird sich jetzt fragen „Worum hat er jetzt so lang drumherum geredet?“. Ich habe bisher nur über alte Spiele geredet die ich einfach nicht zu Ende gebracht habe. Aber viel schlimmer sind doch die neuen Titel die ich niemals spielen werde. Meine Inkonsequenz nichts wirklich zu Ende bringen zu können und die neue Spieleindustrie passen eigentlich gut zusammen, schließlich kann man in 99% der Spiele dank Open World ohnehin machen was man will (Was bereits ein Kritikpunkt wäre aber da lasse ich mich mal mit Besiuk zusammen drüber aus). Ich habe im Prinzip schon nach GTA V aufgehört Open Worlds gut zu finden. Außerdem gibt es nur ein Spiel das in einer OW spielt, das wirklich in meine Top 10 der Spiele kommt: Just Cause 2. Ich bin ja sogar an den Maps von Halo: CE verzweifelt.

Ich bin nicht mehr interessiert an den Spielen die im Moment released werden. Einige Beispiele:

  1. Ghost Recon: WildLands | Die Open World passt nicht ins Franchise.
  2. For Honor | Schwachsinniges Geholze.
  3. Dead Rising 4 | Hab ich schon 3 Mal.
  4. Mass Effect: Andromeda | Ich bin kein Fan der Serie.
  5. South Park: Fractured but whole | Hass.

Das ist nur ein Ausschnitt. Ich habe weitaus mehr Hass zur Verfügung. Auffällig: Unter diesen Spielen ist genau eine neue IP. Ja, ich bin der Meinung Fortsetzungen machen Dinge grundsätzlich schlechter. Außer Rocky. Oder Splinter Cell.

Was mir letztlich Probleme bereitet: Wir hatten mittlerweile alles schon einmal. Wir haben alles gesehen. Jedes Element ist bekannt, die Grafik ist toll mittlerweile. Und da wir alles schon haben, machen wir alles größer, schneller und bunter, damit wir eine Veränderung haben. Aber ich will doch eigentlich nur ein tolles Level haben. Ich brauche dafür keine Online Bestenlisten. Ich will alleine spielen können. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber ich wünsche mir meine Levelschläuche aus den frühen 2000ern zurück. Als ich mit Select die Karte öffnete und nicht die Bestenliste einsah. Als ich eine DVD in die Konsole schieben konnte und das Spiel startete, ohne Patch und Installation. Als auf einer Installations-CD mehr als ein Steam-Installer war. Als Spiele lokal mehrspielerfähig waren.

Wir können technisch mittlerweile eine Menge. Der neue VW Golf hat Gestensteuerung. Braucht man nicht, kann man aber. Open World in so vielen Spielen – braucht man nicht. Kann man aber.

Gibt es noch Spiele die legendär werden? Spiele die wie Halo:CE und Half-Life den Egoshooter definiert haben? Spiele die wie GTA 3 die Open World definiert haben? Spiele die wie Splinter Cell den Stealth definiert haben? Spiele die wie Resident Evil oder F.E.A.R. den (Action-)Horror definiert haben? Spiele die wie Day of the tentacle oder Monkey Island in die Geschichte eingegangen sind weil sie einzigartig waren?

Spielengine: Panzertape

Entdeckt: Die Engine von Destiny.

Heute hat jedes Spiel alles. Jedes erdenkliche Feature wird reingepackt, weil man es einfach kann. Destiny zum Beispiel wurde beim Wechsel zwischen Online und Offline, zwischen dritter Person und Egoperspektive, zwischen kompetitivem Spiel und Story so zerhackt dass das Endprodukt ein mit Panzertape zusammengezimmertes Stück von allem war, das alles konnte aber nichts so richtig.

Was ich wieder will:

Ich gehe in einen Laden, kaufe ein Spiel, gehe nach Hause, freue mich (!), lege es ein und starte es. Scheiß auf den Day One Patch, das Spiel ist nämlich schon fertig, wenn es ausgeliefert wird. Und dann starte ich eine Story oder eine Kampagne und das Spiel hält mich darin. Es werden keine Bestenlisten eingeblendet oder Rekorde von Freunden. Die Levels sind begrenzt (was wir früher so kritisiert haben). Und irgendwann bin ich fertig und dann kommen die Credits. Mein letztes Erlebnis dieser Art war glaube ich Metal Gear Solid 3. Und mein nächstes wird ja vielleicht Prey.

 

In diesem Sinne,

 

früher war alles besser.

 

Oder?

    One thought on “Alles anders – wie sich mein Spielerverhalten geändert hat

    1. Besiuk
      Besiuk

      Du sprichst mir größtenteils echt aus der Seele. Ich habe ja gehofft, dass Zelda das eine Spiel sein wird. Stattdessen habe ich so viel Hass, dass es nicht in ein Review passt… Yo!

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