Masterweit über die erste Stunde von Prey

Masterweit über die erste Stunde von Prey

Masterweit über die erste Stunde von Prey

Masterweit Ersteindruck, Textbeitrag 6. Mai 2017 Comments

Prey ist zurück. Ja, normalerweise sollte das enthusiastischer klingen. Aber mit der Begeisterung für das neueste Bethesda-Werk tue ich mich nach der ersten Stunde noch sehr schwer.

Vielleicht habe ich mal wieder zu viel erwartet. Aber alles der Reihe nach. Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Bethblog, dass die Demo zu Prey bald erscheint. Da war ich gleich Feuer und Flamme, hatte ich dieses Spiel doch als fast einziges in diesem Jahr wirklich mit einiger Spannung erwartet. Ich setzte mich also (nach langer Zeit) mal wieder an die PlayStation, dunkelte das Zimmer ab und stellte das Heimkino auf 7.1 Surround. Ich war sowas von bereit.

Und zunächst war alles wie ich es erwartet hatte. Das Spiel startet ruhig, lässt einen zunächst viel erkunden und dann zunächst lose einer Story folgen. Durch einen Flur mit einem Klempner und über einen Hubschrauberflug geht es in Testräume in denen Tests für einen neuen Job durchgeführt werden sollen, aber bereits recht früh erkennt man, dass da etwas nicht stimmt.

Um nicht alle Details zu verraten – es geht natürlich irgendwie schief. Ein Alien kommt auf einmal aus einer Tasse und wir fallen erst einmal in Ohnmacht – so weit so unspektakulär. Wir wachen erneut am selben Tag auf. Wenn wir an diesem Tag die Wohnung verlassen, ist unser Klempnerfreund bereits tot. Dessen Rohrzange können wir glücklicherweise an uns nehmen und haben damit unsere erste Waffe. Ich frage mich kurz ob ich zufällig Bioshock Remastered eingelegt habe. Ach nee, hab ich ja auf Steam.

Steam würde auch Prey ganz gut tun. Alles ist schön glatt poliert und sieht wunderbar aus – aber es gibt keine Posteffekte. Die gesamte Grafik sieht aus als käme sie direkt aus dem Levelbaukasten. Hier setzen wir eine Wand, da packen wir eine Kiste hin, da stellen wir ein paar Schreibtische in die Ecke. Es ist dabei weder düster noch neblig, alles steht dort als gehöre es nicht dort hin, die Farben sind viel zu kontrastreich und satt. Ob sich das nach der ersten Stunde noch ändert lässt sich jetzt zwar noch nicht sagen, Horrorfeeling kommt dabei allerdings überhaupt nicht auf.

Und dann gibt es noch das automatisierte Kommunikationssystem, welches ja mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben ist. Kein Spiel kommt mehr ohne irgendeinen Roboter aus, der den Spieler in den ersten Minuten im Spiel anleiten soll. Gerade bei Horrorspielen (und gerade zu Beginn solcher) möchte ich lieber auf mich allein gestellt sein, auch um mir die Situation des alleine auf einem Schiff gegen Aliens kämpfen zu müssen besser vorstellen zu können. Aber nein, da Spieler heutzutage als kreuzdoof eingeschätzt werden benötigt es einen Roboter und Wegpunkte um uns zum ersten Ziel zu führen.

Mittlerweile hat der Spieler bereits erfolgreich den Aufhänger vermittelt bekommen und trifft nun endlich auf Aliens. Zunächst dürfen wir sie nur aus einer Luftschleuse beobachten dann rücken wir mit unserer Rohrzange bewaffnet endlich in den Raum vor. Und dann wird deutlich, dass Bethesda keinen Horror kann. Wir befinden uns im Raum mit den Aliens, wir können sie nicht sehen, eine Spannung baut sich auf. Beste Zutaten für einen tollen Kampf eigentlich. Aber zunächst passiert nichts. Ich gehe ein Stück – immer noch nichts. Ich erwarte also, dass die Aliens vielleicht in einen anderen Raum verschwunden sind, drehe mich um und gehe zu einem Computer. Plötzlich rastet die Musik völlig aus und ich bekomme Schaden. Ein Alien ist auf dem Boden, ich haue ein paar Mal mit der Rohrzange drauf, es kommen noch 3 weitere, ich haue mit der Rohrzange drauf. Das war der schlechteste Jumpscare aller Zeiten.

Ich bin aus diesem Kämpfchen weder sonderlich geschockt hervorgegangen, noch hätte ich irgendeine Art Angst oder Respekt vor den Aliens entwickelt. Sie sind zu leicht zu besiegen und ich habe keine Angst davor es noch einmal tun zu müssen. Schlechte Voraussetzungen für den weiteren Verlauf. Es gibt ja zum Glück noch größere Gegner, aber dazu gleich mehr.

Erstmal muss ich etwas lobend tätig werden – das klassische „Suche die Schlüsselkarte“ Prinzip wird durch mehrere Möglichkeiten Räume zu durchqueren zumindest teilweise außer Kraft gesetzt, das ist gut und schafft Abwechslungen.

Zurück zum Rest, Hassen ist einfacher. Man erhält recht früh eine Kanone mit der man Gegner sozusagen eingipsen kann. Mit einem Schuss bewegen sich Gegner zunächst träger, bei weiteren Schüssen gar nicht mehr. Dann ein Mal mit der Rohrzange drauf auf die versteinerte Masse, weiter kann es gehen. Zum Glück gibt es relativ schnell noch eine Schrotflinte hinterher, zum Ende der Demo gibt es sogar eine schallgedämpfte Pistole dazu. Das Waffenrad lässt noch viele weitere Schießeisen vermuten.

Dann noch etwas zu den RPG-Features: Warum? Die RPG-Features sind ja bei Bethesda ebenfalls per Satzung verpflichtend, was ihren Einsatz hier nicht sinnvoller macht. Man kann looten und mit gesammelten Dingen Sachen bauen und sich heilen. Dazu hat jeder Gegner einen Balken über dem Kopf der seine Stärke und restlichen Heilungspunkte anzeigt. All das nagt furchtbar an der Atmosphäre. Es gibt auch noch einen klassischen Skilltree der durch „Neuromods“ bedient wird, die sich der Charakter ins Auge sticht. Aua.

Ins Auge sticht auch, wie schlecht die Auftritte von Gegnern oft gelöst sind. Es fühlt sich an als würde ein Raum mit Gegnern vollgepackt werden (welche sich in Alltagsgegenstände verwandeln können) und dann wird der Spieler auf den Raum losgelassen. Irgendwann springt ein Alien aus der Kaffeetasse, meist allerdings wenn man überhaupt nicht hinschaut oder mit anderen Dingen beschäftigt ist. Schön, dass man durch den unfassbar lauten Jumpscare-Sound in der Musik stets gut darüber informiert ist, wann man sich erschrecken soll. Ein einziges Mal hat es bei mir funktioniert in den ganzen 60 Minuten, eine durchgehende Spannung stellte sich nie ein.

Bethesda hat keine schlechten Ideen. Bethesda hat nur das Spiel viel zu voll gepackt. Eine Entwicklung die ich ja schon einmal kritisiert hatte. Und ich bleibe dabei – Gaming-Schuster, bleibt bei euren Leisten.

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