Frauen in Videospielen – Segen oder Fluch? (Pt. VI)

Frauen in Videospielen – Segen oder Fluch? (Pt. VI)

Masterweit Segen oder Fluch?, Textbeitrag 12. Juni 2015 Comments

Eigentlich stellt sich diese Frage gar nicht. Aber grundsätzlich sind es nicht die Frauen in Videospielen, die mich stören, sondern vielmehr dass sie zu Publicity-Zwecken mehr oder weniger instrumentalisiert werden. Und mit diesem Aufhänger Herzlich Willkommen bei einer neuen Runde „Segen oder Fluch?“.

Wir leben in einer Zeit in der sich gesellschaftliche Phänomene wie die Gender-Bewegung immer weiter ausbreiten und mehr Rechte für Frauen fordern. Ob das sinnvoll ist, sei jetzt mal dahingestellt, da einige Menschen (insbesondere Aktivistinnen in einschlägigen Internet-Foren) teilweise sehr radikal mit diesem Thema umgehen. Da wir politisch neutral sind, sag ich dazu jetzt einfach mal gar nichts. Was sich in diesen Bewegungen allerdings auch immer wieder findet (allerdings weniger bei den oben genannten Netzfeministinnen, sondern eher bei kompetenten Leuten, die Ahnung haben wovon sie reden) ist die Gleichstellung auch in Videospielen. Womit wir beim Thema wären.

An sich eine ordentliche Sache, die mittlerweile auch mehr oder weniger bei den größeren Publishern angekommen ist (siehe der Shitstorm bei AC: Unity). Aber machen die Publisher es wirklich aus Gründen der Emanzipation? Oder ist es vielmehr Marketing, das mit Frauen in Games gemacht werden soll?

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Hach ja, DoA Beach Volleyball…

Eigentlich war es bisher immer so: Der Hauptcharakter bekommt einen bombig aussehenden weiblichen Sidekick, der alle so nervt dass man Frauen in Videospielen irgendwann allgemein zu Quatsch herunterredet. Die Wende kam mit dem fantastischen Auftritt von Elizabeth in Bioshock Infinite. Endlich mal eine Frau die selbstbewusst ist, (wirklich verdammt) gut aussieht und dazu noch einen spielerischen Nutzen hat – das gab es so sehr selten zuvor. Ich erinnere mich in Sachen grauenvolle weibliche Sidekicks immer wieder ungerne an E.E. (Emma Emmerich) aus Metal Gear Solid 2. Aber diesen Wulst aus ganz schlimmen Spielelementen (Escort Mission, Wasser, Schwimmen, Top-Down, Zeitlimit) muss jeder für sich selbst erleben.

Mit der Zeit werden Spiele natürlich immer größer, schöner und komplexer was insbesondere den Games-Frauen sehr gut getan hat. Ich konnte schon 1987 in Metal Gear einen coolen Helden mit coolem Namen erschaffen. Aber durch die erweiterten Möglichkeiten Emotionen darzustellen, rücken auch Frauen immer mehr in den Vordergrund. Da Frauen (und es tut mir Leid, aber das ist nun mal so) in den meisten Fällen sensible und emotional geprägte Rollen spielen (Heavy Rain, Beyond: Two Souls, Fahrenheit, Halo 4, Tomb Raider (2013), Metal Gear Solid (komplette Reihe) ist der technische Fortschritt ihnen insofern zugute gekommen, dass ihre nun besser darzustellenden Rollen an Wichtigkeit gewinnen.

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Der Chief musste in Halo 4 eine postpubertäre Cortana erleiden…

Natürlich gibt es nach wie vor Spiele wie Bayonetta, Dead or Alive oder Lollipop Chainsaw, welche die mühsam aufgebauten Frauenbilder mit Füßen treten. Aber das ist wiederum ein größeres Gebiet, da das wieder mit männlichen Bedürfnissen zusammenhängt. Und dafür gibt es andere Orte.

Aber nun zur endgültigen Thematik – dadurch das Frauen im Spielebusiness immer mehr Aufsehen erregen werden sie natürlich auch automatisch zu einem Marketing- und PR-Faktor. Und das merkt man im Moment ordentlich. Spieleentwickler nehmen mehr Aufwand in Kauf nur um negative Publicity zu vermeiden. So macht es EA mit der Integration von Frauenmannschaften im neuen FIFA, so macht es Ubisoft beim neuen Assassin’s Creed. Man kann letztendlich davon ausgehen, dass man Sexismus durch die Integration von Frauen nur noch mehr steigert. Wenn ich mir nur die Witze über das Implememtieren von Frauenmannschaften in FIFA 16 anschaue, wird mir mulmig. Das wird bei Release nicht anders sein.

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Elizabeth – Frauen können in Spielen funktionieren!

Das Ziel muss sein, Frauen in der Breite zu etablieren. In Rollenspielen sind sie seit Jahren angekommen. In Sportsimulationen (zumindest in einer für den Anfang) sind sie im Kommen. Ihre Bedeutung als industrieller Faktor steigt. Und da kommt dann das Problem der Vermarktung hinzu –  keine Frau wird sich jemals ein Spiel kaufen weil sie nun ihre Heldinnen aus der Frauenfußball-Nationalmannschaft steuern kann.

Dass mit der Implementierung von Frauen so stark geworben wird, ist leider wieder nur ein Zeichen dafür, dass es hier eigentlich gar nicht um die Rechte der Frauen geht, sondern letztendlich doch nur darum, einen Shitstorm zu vermeiden. Es bleibt zu hoffen, dass die Integration von Frauen in den Massenmarkt klappt, sodass man mit weiblichen Charakteren irgendwann genauso umgeht wie mit männlichen. Frauen müssen zur Selbstverständlichkeit werden.

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