Kamurocho – Eine Liebeserklärung

Kamurocho – Eine Liebeserklärung

Kamurocho – Eine Liebeserklärung

Besiuk Blog, Textbeitrag 14. März 2018 Comments

Hattet ihr schonmal das Gefühl innerhalb einer Spielwelt eine neue Heimat gefunden zu haben? Einen Ort den man so gut kennt, dass man ohne weiteres jede Ecke wiedererkennt und geographisch zuordnen kann?

Dieses Erlebnis sollte unter den MMO-Spielern relativ bekannt sein, denn Welten wie Azeroth, Eorzea oder Tyria sind prädestiniert dazu, sich möglichst ins Gehirn der Spieler zu brennen. Es sind Orte die man zwar gerne erkundet, doch wegen ihrer immense Größe ist es oft schwierig, sich jedes einzelne Detail einzuprägen. Da heutzutage jede digitale Welt immer größer werden zu müssen scheint, wäre eine kleine, familiäre Nachbarschaft eine perfekte Abwechslung. Die Yakuza Serie hat genau das zu bieten. Lasst mich Euch euer neues Zuhause vorstellen: Kamurocho!

Richtig gelesen, ich habe mir soeben erlaubt euch in eine fiktive Ortschaft überzusiedeln. Nun, so fiktiv ist sie auch nicht, denn Kamurocho ist eine recht realitätsnahe Nachbildung des Tokyo’ner Rotlicht-Distrikts Kabukicho. Der eine oder andere unter euch dürfte in letzter Zeit über Trailer zu dem bald erscheinenden Yakuza 6 gestolpert sein und dadurch einen ersten Blick auf Viertel erhascht haben. Sei es der ikonische Torbogen oder der mit Host-Gesichtern beklebte Sichtschutz eines größeren Parkplatzes. Soweit so gut. Warum aber Kamurocho? Warum nicht ein anderer Ort, wie z.B. Manhattan aus The Division, oder Paris aus Assassins Creed Unity? Beides Städte, die ebenfalls auf eine wunderschöne Weise nachgebildet wurden und uns westlichen Menschen viel greifbarer sind.

Wiedererkennungswert¹

Shichifuku Parking Lot bietet Werbeflächen für Host- und Hostess-Clubs aller Art

Viele solcher Welten sind genau das: nachgebildete Ortschaften, die mit viel Liebe und Detail erbaut wurden. Diese sind aber statisch. Was Kamurocho von ihnen unterscheidet, ist dass uns die Yakuza Serie seit dem Jahr 2005 immer wieder ins selbe Viertel zurückholt und dieses mittlerweile eine Zeitspanne von 28 (Spiel-) Jahren durchlief. In Yakuza 0 erlebt man wie das dortige leben in 1988 aussah, im sechsten Teil der Serie wiederum das moderne leben des Jahres 2016.

Von Besuchen im Telefonclubs und dem ersten Aufkommen von 5kg-Tragetaschen-„Mobil“-Telefonen zu Webcam Chats und Smartphone Selfies – all das, mehr oder weniger kompakt verpackt in (bald) sieben Spielen. Doch nicht nur die äußeren Umstände ändern sich. Immobilien wechseln ihre Besitzer, Lokale schließen und eröffnen nach Rebrandings ihre Pforten, neue Bauwerke entstehen und hinterlassen Spuren der Jahrelang andauernden Baustellen. Kamurocho lebt. Der recht kleine Distrikt bietet mit jedem Besuch so viele neue Erlebnisse, dass man beim Voranschreiten der Serie gar nicht weiß, wo man anfangen soll sich umzuschauen. Von den zusätzlichen Erfahrungen die mit der Story einhergehen, will ich gar nicht erst anfangen.

Mittlerweile fragen sich bestimmt alle von euch, warum ich diesen Text schreibe und was ich damit erreichen will. Es ist sehr simpel. Der Trend exponentiell immer gigantischere Welten zu erschaffen und sich an der letzten Rekord-Karte zu messen, wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Mein Anlass dazu ist das kürzlich erschienene Dynasty Warriors 9. Ein Titel auf den ich mich sogar ziemlich gefreut habe, jedoch schon kurz vor Release wurden Stimmen laut, dass es eine Katastrophe sei. Ich würde mit er Aussage nicht ganz d’accord gehen. Trotzdem stimme ich den Kritiken bei einem bestimmten Punkt zu: Die Welt ist eine leere Hülle. Die Entwickler von Omega Force entschieden sich eine geschrumpfte Version vom alten China zu nehmen und diese zur Spielwelt zu machen.

Weniger ist manchmal mehr

Durch die geringe Fläche steigt die Dichte an Attraktionen.

Leider war China um das Jahr 330 eine leere Prärie. Hier und da stampften die Menschen Festungen und Dörfer aus dem Boden, der größte Teil war aber leer und verlassen. Dynasty Warriors 9 trifft damit eigentlich genau das zeitgenössische Vorbild, jedoch eignet sich so eine Welt nicht für ein Spiel dieser Art. Noch weniger als ein Open World Titel. Dabei ist es nur die Spitze des Eisbergs. Karten wie die von z.B. The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder Grand Theft Auto 5 erstrecken sich um die 50km², das Spielfeld von Ghost Recon Wildlands erreicht sogar sagenhafte 2700km².

Alles Welten die zwar interessanten Inhalt bieten, dieser ist aber so verstreut, dass man sich zu fragen beginnt, was man sinnvolles in der Zeit hätte sonst machen können. Und damit wären wir wieder beim Gegenteil Kamurocho. Klein, kompakt und ein Musterbeispiel einer nahezu perfekten Spielwelt. Hier muss man nicht auf Türme klettern um noch mehr Marker auf die Karte zu setzen. Man muss nicht kilometerweite Strecken fahren um den nächsten belanglosen Gegenstand abzuholen, nur um den wieder auf demselben Weg zurück zu befördern. Hier ist alles fußläufig erreichbar, einzigartig und vor allem strahlt es mit Wiedererkennungswert.

Wer also mal sehen will, wie eine Spielwelt auszusehen hat und den ganzen Open World Quatsch überdrüssig ist, sollte definitiv in die Yakuza Serie reinschauen. Sei es mit dem Prequel Yakuza 0, dem Remake des Originals Yakuza Kiwami, oder auch dem am 17.04. erscheinenden Yakuza 6. Hautpsache Kamurocho.

Und um die Liebesgefühle noch ein bisschen zu verstärken, hier die erste Tätigkeit der ich in jedem Yakuza als allererstes nachgehe:


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