Katawa Shoujo – Review

Katawa Shoujo – Review

Katawa Shoujo – Review

Besiuk Review, Textbeitrag 25. März 2013 Comments

Schon seit einigen Jahren predigen bekannte Stimmen in unserer Branche, dass Katawa Shoujo ein sehr interessantes und vor allem spezielles Visual Novel ist, welches man sich unbedingt einmal anschauen sollte. Gesagt, getan! Aber was zum Teufel soll diese Thematik

Zu aller erst sollte man klarstellen was ein Visual Novel überhaupt ist. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Roman, der von Visuellen Effekten unterstützt wird. Was diese Romane grundsätzlich von ihrer Papiervorlage unterscheidet, ist die Interaktivität. Das heißt, dass wir während des Lesens vor Entscheidungen gestellt werden, die den Lauf der Geschichte verändern und uns ein persönliches Ende geboten wird. Das ganze klingt zwar relativ langweilig, erzählt es jedoch eine spannende Story, kann es einen ganze neun Stunden am Computer fesseln. Nach dem Abspann merkt man erst, dass man diese Zeit über nichts anderes gemacht hat, als die linke Maustaste zu drücken – oder in meinem Fall, den A-Button an meinem Gamepad.

katawa1Katawa Shoujo gehört definitiv zu der Sorte Novel, die einen fesselt, jedoch nicht wegen der Spannung sondern wegen der sehr außergewöhnlichen Thematik. Es dreht sich alles um den Hochschüler Hisao, welcher an einem verschneiten Tag von einem Mädchen ihre Liebe gestanden bekommt und dabei einen Herzinfarkt erleidet. Normalerweise würde man von einem Spiel erwarten, dass er danach als Geist sein Unwesen treibt, oder noch schlimmer, Superkräfte bekommt. Katawa Shoujo setzt aber an diesem Punkt auf Realität, springt vier Monate in die Zukunft und zeigt uns Hisao an seinen letzten Tag im Krankenhausbett. Dort erfahren wir, dass er schon immer an einer Herzrythmusschwäche gelitten hat, was aber nie diagnostiziert wurde. Nach dem viermonatigen Krankenhausaufenthalt kann er endlich in sein normales Leben zurückkehren, wobei es jedoch einige Einschränkungen gibt. Täglich muss er zwei Tabletten gegen Herzkrämpfe nehmen, oder wie er sagt: „Schluck-sie-oder-du-wirst-Sterben-Pillen“, und auch seine alte Schule kann er nicht mehr besuchen da er eine 24/7 Notfallüberwachung braucht. Dabei kommt die Yamaku Academy ins Spiel. Sie erfüllt genau diese Voraussetzungen und wird von allerlei Krankheitsfällen besucht. Blinde, Stumme, Taube, Schizophrene, Paranoide und auch Schüler mit amputierten Gliedmaßen sind dort zu finden.

katawa2Schon am ersten Schultag wird klar, worum diese Novel handelt: Lovestorys! Woher weiß ich das? Naja, komischerweise gibt es bis auf den Protagonisten noch genau drei männliche Charaktere: Den Klassenlehrer, die Krankenschwester (ja, männlich!) und den paranoiden Verschwörungstheoretiker im Campusflur. Der Rest? Alles Mädels mit den verschiedensten Problemen. Sechs Stück zeichnen sich jedoch besonders ab und sind unsere möglichen Partnerinnen: Shizune, die taubstumme Schülersprecherin, die einen dominanten Tick zu haben scheint; Misha, die ihren Aufmerksamkeitsdefizit damit befriedigt, Shizunes Sprachrohr zu sein; Die blinde Lilly die auf Hanako, das schüchterne Mädchen mit dem verbrannten Körper aufpasst; Rin, die Armlose Künstlerin, die mit ihren Füßen malt und ihre beste Freundin Emi, der unterhalb ihrer Knie die Beine fehlen und sie deswegen Prothesen tragen muss, was sie aber daran nicht hindert die schnellste Läuferin der Schule zu sein.

katawa3Durch meine Entscheidungen („Nein, ich möchte nicht in den Schülersprecherrat“, „Ja, ich werde Sport machen um mein Herz langsam zu trainieren“), hat sich meine Geschichte dazu entwickelt, dass Hisao Interesse an Emi, dem Mädchen mit den Beinprothesen findet. Die nächsten paar Stunden entwickelten sich wie erwartet in Richtung der klischeehaften großen Liebe und Sex, wobei ich angenehm überrascht war, dass es nicht in eine Hentaiorgie ausgeartet ist, wie ich es von einem Spiel, dass von dem /a/ und /v/-Board von 4chan entwickelt wurde, erwartet hätte. Es ist zwar ab und zu mal eine, oder besser gesagt zwei Brüste zu sehen, was aber bei so einem Format sehr gewöhnlich ist. Danach fing erst der wirklich interessante Teil der Geschichte: Die Psyche der jeweiligen Partnerin kennenlernen. Emi kann z.B. keine Menschen an sich heranlassen, da sie Angst hat sie zu verlieren. So wie sie ihre Beine und ihren Vater in einem Autounfall verloren hat. Auch lässt sie sich von niemandem in schweren Situationen helfen, da sie meint, dass man ihr nicht helfen kann. Dabei bezieht sie sich unter Anderen auf ihre Phantomschmerzen.

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Somit habe ich eigentlich 20% des Spiels gespoilert. Wer es jedoch trotzdem noch selbst Spielen will, kann es ja immer noch tun, da es noch die anderen vier Geschichten zu erleben gibt, die wahrscheinlich genauso spannend sind wie die von Emi. Im Großen und Ganzen kann man auch nicht viel mehr dazu sagen, ohne noch mehr vorwegzunehmen. Für mich persönlich hat es die Tore zu den Novels geöffnet, da ich es vor Katawa Shoujo nicht geglaubt habe, dass mich ein solches Format fesseln kann. Also klare Empfehlung von mir. Auch wenn die Thematik sehr, sehr ungewöhnlich ist.

Kostenloser Download: http://www.katawa-shoujo.com/index.php

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