Ran an die Bälle! – Pokemon Sonne/Mond Review

Ran an die Bälle! – Pokemon Sonne/Mond Review

Ran an die Bälle! – Pokemon Sonne/Mond Review

Besiuk Review, Textbeitrag 25. Januar 2017 Comments

Wer hätte gedacht, dass ich das noch erlebe. Nachdem ich vor etlichen Jahren dem Pokémon-Franchise tschüss sagte und jegliche weitere Iterationen nach Silber/Gold strikt abgelehnt hatte, passierte es doch noch: Tag und Nacht, im Zug, im Flieger und manchmal auch einfach auf der Toilette – der Gameboy der 3DS war immer da und schrie nach Aufmerksamkeit. Ca. 135 intensive Gameplaystunden später, sitze ich hier und möchte meine Eindrücke mit euch teilen.

Da der Disclaimer wirklich wichtig ist, um meine Sicht auf die gesamte Pokémonwelt zu verstehen, führe ich das noch mal aus. Ich war wie (hoffentlich) jedes Kind der 90er total von Pokémon begeistert. Ob Karten, Anime, Tazos (kennt die einer?) oder eben die Spiele selbst – Wir waren totale Konsumopfer und wussten es einfach nicht besser. Aber wir waren glücklich! Wenn Mama einen nach draußen geschickt hatte, gab es keine Widerrede, da man seinen Gameboy in der Tasche hatte. Pokémon ermöglichte uns unser Hobby, welches davor sehr an das Kinderzimmer gebunden war, nicht nur nach draußen zu bringen, sondern auch durch das Monster tauschen, das Zwischenmenschliche ein bisschen zu fördern. Die Spiele waren simpel, boten aber trotzdem genug Variation um nicht langweilig zu werden. Die ersten beiden Generationen von Pokémon trieben das Prinzip auf die Spitze. Und dann, 2002, kamen Rubin und Saphir. Einerseits war der technische Sprung von Gameboy Color auf Advance revolutionär, andererseits ermöglichte dieser den Designern für damalige Verhältnisse unendliche Möglichkeiten, was meiner Meinung nach der Overkill jeder Entwicklung sein kann.

Not macht erfinderisch. Technische Limitierungen halten einen Entwickler am Boden und lassen nicht zu, sein Projekt mit unnötigen Features zu sprengen. Ich hatte das Gefühl, dass das bei der dritten Generation von Pokémon nicht der Fall war. Durch Pokémon-abhängige Fähigkeiten, hatte sich der Random-Faktor in den Kämpfen vervielfacht. Das Hinzukommen von Wesen, die ich jetzt – 15 Jahre später – erst verstanden habe, machte das Fangen und Züchten von den Monstern zu einer Wissenschaft für sich. Dann die Veränderungen der Beeren, irgendwelche Schönheitswettbewerbe, und, und, und … Die Liste ist lang. Für meinen persönlichen Geschmack zu lang. Von den immer seltsamer werdenden Designs der Pokémon ganz zu schweigen.

Bauz – der Pflanzenstarter erinnert an die alten Designs

Nintendo wusste das. Das Team wusste ganz genau, dass neben der immer größer werdenden jungen Zielgruppe, viele der alten Hasen abgesprungen sind und nicht vorhatten, wieder zu kommen. Und dann passierte Pokémon Go. Sie lockten uns mit der Nostalgie der ersten Generation und ließen uns in den Erinnerungen schwelgen. Selbstverständlich kauften wir dann Sonne/Mond. Der „Zufall“, dass die Monster der ersten Generation eine wichtige Rolle im neusten Abenteuer spielen, war durchkalkuliert. Wir wurden manipuliert. Finde ich es schlimm? Überhaupt nicht. Denn ohne diesen Stunt würde ich jetzt nicht hier sitzen und diesen Beitrag schreiben. Und es gibt einiges zu bereden!

Nach diesem elend langen Intro, können wir dann endlich zum eigentlichen Thema kommen: Sonne/Mond. Ich war anfangs sehr skeptisch, hatte mich aber kaum informiert. Zwar habe ich von der Geschichte nichts erwartet, ließ mich aber jedoch nicht auf die Gefahr ein gespoilert zu werden. Vor allem nicht, wenn Kotaku eine Riesenwarnung ausgesprochen hatte. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese unbegründet war. Zwar hat die Story einige interessante Wendungen, aber nichts Weltbewegendes. Man merkt auch durch die vielen Dialoge und vor allem Erklärungen, dass sich zumindest die Geschichte an jüngeres Publikum richtet. Was mich dafür aber erstaunt hatte, ist die Präsentation. Ein Traum für Jemanden wie mich, der nur an die klassische und eigentlich nicht vorhandene Darstellung der alten Spiele gewöhnt ist. Schöne Animationen, die einfach an jeder Stelle poliert sind. Da freut man sich echt auf jeden Trainerkampf. Die einzigen Mankos die mir auffielen, sind die teilweise schlecht aufgelösten Texturen und die ziemlich repetitiven Kamerafahrten in Zwischensequenzen. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass der Gestalter der weiblichen Charaktere für die Kamerafahrten verantwortlich ist und uns stolz, mit einem Vertikalschwenk von Fuß bis Kopf seine Lieblingsfiguren zeigen möchte. Seltsamerweise ist es mir nur bei den Frauen aufgefallen. Ist er ein Sexist? Oder bin ich es?

Wenn wir schon bei den Charakteren sind – Die Personen sind auf mehreren Ebenen problematisch. Ich habe ja kein Problem damit, wenn ein Spiel mit seiner Mechanik punktet und diese in den Vordergrund stellt. Habe ich aber eine Story und dementsprechend auch NPCs die sie nach vorn treiben, muss ich diese ausarbeiten. Einige der Leute die man trifft sind vollkommen ok. Die meisten sind aber sehr flach und einfach austauschbar. Nehmen wir unseren Wanderschafts-Kameraden Tali. Seine einzige Aufgabe ist es uns hinterherzurennen und immer gegen uns zu verlieren. Das war bei Blau oder Silber (ja so heißen die Rivalen aus 1./2. Gen) ganz anders. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich nur an die Melodie denke, die Sekunden bevor Blau ins Bild trat lief. Er war eine echte Herausforderung. Tali ist eher eine… Lusche. Er lächelt, wenn er verliert und hat immer gute Laune, was ihn aber nicht unbedingt sympathisch macht. Er ist einfach nur da. Die anderen Charaktere lassen sich auch schon nach wenigen Stunden in die Gussformen des typischen Bösewichts und des eigentlich-bin-ich-so-nicht-aber-ich-habe-ein-ziel-welches-ich-nur-böse-lösen-kann-wichts.

Das ist Tali. Tali ist ein Versager. Seid nicht wie Tali.

Und dann noch der Elefant im Raum. Ich, bzw. der Spieler. Ein stiller Held gilt ja allgemein in der Industrie als die beste Plattform, um den Spieler das Gefühl zu geben, er selbst sei der Avatar und erlebt die Geschichte. Soweit so gut. Pokémon Sonne/Mond macht da einen entscheidenden Fehler. Es gibt dem Spieler ein Gesicht, aber keine Mimik. Wir sind einfach nur da. Zwar ein Lächeln im Gesicht, aber keine Emotionen zeigend. Wie ein aufgemaltes Grinsen auf einer Puppe. Creepy! Nicht um sonst hat der Master Chief einen Helm auf und Half-Life keine Zwischensequenzen die Gordon Freeman zeigen könnten. Aber zurück zu uns. Wir können unserem Charakter die Frisur, Kleidung und sogar den Stil die Pokebälle zu werfen anpassen. Das Gesicht bleibt jedoch immer tot. Sehr schade. Gerade dann, wenn alle anderen NPCs die wir treffen mehr Mimik und Körpersprache haben als wir. Sogar die Pokémon zeigen beim füttern mehr Emotionen.

Wie geht’s eigentlich deinem Nintendog?

Damit können wir dann auch gleich zum nächsten Thema wechseln: Unnötiges. Ich weiß, darüber lässt sich bestimmt streiten, jedoch sind da einige gewisse Dinge, die mich einfach stören. Wir können unsere Pokémon füttern und pflegen, damit sie in uns in Kämpfen einige Vorteile verschaffen. Kümmern wir uns um unser Taschenmonster oft genug, liebt es uns so sehr, dass es uns keine Probleme bereiten möchte. So werden tödliche Attacken überstanden, Statusveränderungen nichtig gemacht oder auch mehr Volltreffer vollführt. Das Problem an der Sache ist: Diese Viecher brauchen mehr Aufmerksamkeit, als ein frisch geschlüpfter Tamagochi. Ich bin jemand, der in einem Questlog ungern ein „x neue Aufgaben“ sieht, oder generell was unerledigt lässt. Ich mache mir ToDo-Listen und arbeite diese dann ab. Wenn mir aber alle fünf Minuten ein Pokémon meldet, dass er jetzt gerne was essen würde und sein Bauch gestreichelt werden soll … Das brauche ich an der Stelle nicht. Dafür hat man eine Freundin.

Neben den Streicheleinheiten auch ziemlich nervig und eigentlich das größte Manko am ganzen Spiel, ist die Technik. Wir sind nach all den Jahren scheinbar am der Grenze der Leistung des 3DS angekommen. Wir kriegen in regelmäßigen Abständen Slowdowns bei Doppelkämpfen und effektreicheren Ereignissen. Die Framerate geht so in die Knie, dass man die Bilder pro Sekunde fast schon mitzählen kann. Hinzu kommen Ladezeiten, in denen man merkt, dass das Spiel „denkt“ und den Ausgang einer Runde berechnet. Das muss echt nicht sein. Der New 3DS hebelt die Probleme teilweise aus, macht sie aber keineswegs erträglich. Es ist schade, dass die Grundmechaniken unter technischen Limitierungen leiden müssen. Da hätte man echt ein wenig zurückfahren müssen. Ein Grund mehr für Nintendo aus den Gerüchten um einen Switch-Ableger Realität zu machen. Wie dem auch sei. Wenn man da drüber hinwegsehen kann, sollte man trotzdem viel Spaß mit dem Gameplay haben. „Aber wie ist das Gameplay denn überhaupt?“ – Fragt ihr euch. Tja, den wichtigsten Teil habe ich mir schön für den letzten Abschnitt aufgehoben, damit ihr auch mal länger als 30 Sekunden auf der Seite bleibt.

Seht ihr das Z? Dabei kann ich noch nicht mal Yoga.

Also, Gameplay. Wer jemals ein Pokémon gespielt hatte, weiß eigentlich genau auf ihn zukommen wird. Zwei Teams von insgesamt max. sechs Monstern, kämpfen rundenbasiert gegeneinander. Dabei zählen Werte wie Angriff, Verteidigung und Initiative zu den Faktoren, die über den Ausgang des Kampfes entscheiden. Und natürlich die strategisch eingesetzten Attacken und Fähigkeiten. Ein Ganz klassisches PRG eben. Was Sonne/Mond von seinen Vorgängern abgebt, sind mehrere Kriterien. Zum einen haben wir da die sogenannten Z-Kräfte. Diese sind temporäre Attacken, die man einem Pokémon durch das Tragen eines entsprechenden Kristalls ermöglichen können. Da wir in jedem Kampf nur ein einziges Mal eine Kraft benutzen können, muss man sich ganz genau überlegen ob und welchem Monster man einen Kristall gibt. Ich persönlich habe diese nur ausprobiert, bin aber auch schon nach kurzer Zeit zu dem Entschluss gekommen, dass es in meinem Team mehr Sinn macht, auf die Kristalle zu verzichten und lieber auf attackenstärkende Items zu setzen.

Eine andere große Neuerung – die Inselwanderschaft. In der Region Alola, in der wir uns befinden, gibt es keine Arenen, keine Pokémon-Liga und keine Orden. Sonne/Mond setzt auf frischen Wind und Punktet mit Prüfungen, die meistens aus kleineren Aufgaben mit abschließenden Kampf gegen ein Herrscher-Pokémon besteht. Die Herrscher sind einfach gesagt Monster, die mit einer stärkenden Aura umgeben sind. Die Aura ist übrigens einer der Gründe, warum die Framerate so in die Knie geht. Aber zurück zu der Wanderschaft. Wir treiben uns von Gebiet zu Gebiet und erfüllen da unsere Aufgaben. Durfte ich entscheiden, hätte ich lieber wieder die Arenen zurück, weil ich dieses progressive, ergebnisorientierte Vorgehen lieber mochte. Wenn ich darauf aus der Sicht eines treuen, langjährigen Spielers schaue, verstehe ich aber auch, dass man da Abwechslung haben möchte.

Tschüss Surfer – Hallo Lapras

Eine grundlegende Sache, die ich noch ansprechen möchte, sind die nicht vorhandenen versteckten Maschinen. Die sogenannten VM’s waren in den früheren Spielen essenzielle Attacken, die man brauchte um in der Story weiter zu kommen. Stand beispielsweise ein riesiger, unbeweglicher Felsen vor uns, fanden wir in kurzer Zeit die VM Stärke. Damit konnten wir dann diesen Brocken bewegen und das Gebiet dahinter erkunden. Ähnlich wie bei Metroid, konnten wir dann zu den bereits bereisten Orten zurückkehren und dort Pfade freilegen, die vor dem Erlernen der Attacke unerreichbar waren. Sonne/Mond hingegen benutzt PokéMobil. Einen Leihdienst für Monster, die diese VMs beherrschen. In wie fern ist das gut? Da man im Laufe des Spiels immer wieder auf VM’s angewiesen war, brachte man sie den Pokémon bei. Sie waren aber grundsätzlich ein Nachteil im Kampf, da sie eher einen unterdurchschnittlichen Nutzen hatten. Jetzt hingegen, kann man das volle Potenzial der Monster ausschöpfen und muss die Taktik nicht mehr um die unnützen Angriffe herum spinnen. Tolle Sache!

Der Rest ist halt Pokémon, wie man es kennt. Wir kämpfen uns durchs ganze Land, suchen weit und breit. Die Region Alola bietet neben den 80 neuen Monstern, auch eine Menge bereits bekannter Pokémon, die sich aber teilweise vom Aussehen und von ihren uns bekannten Typ unterscheiden. Ein Nostalgiekick für alte Fans, aber auch ein großer Grund für Verwirrung, da man jetzt nicht nur neue Pokémon lernen muss, sondern auch bei den alten zum Umdenken gezwungen wird. Trotzdem ist es schön, dass man in der Theorie zwei Rattfratze mit verschiedenen Typen haben kann. Wie gesagt, Neues mit Altem vermischt. Schlussendlich ändert sich aber nichts so grundlegend an der Formel, dass man immer das Gefühl hat, zu Hause zu sein, wenn man in der Vergangenheit schon mal eins der Spiele gespielt hatte.

Ein Eis-Vulnona. Irgendwie falsch, aber trotzdem faszinierend!

Ich muss zugeben, während ich Pokémon Sonne/Mond gespielt habe, hatte ich sehr viel Spaß, den ich aber nicht auf eine bestimmte Mechanik oder Story festnageln konnte. Es war einfach Spaß an dem Spiel als ein Ganzes. Auch nachdem ich jetzt knapp zwei Tausend Wörter in dieses Review gepresst und viele negative Faktoren aufgelistet hatte … Eigentlich müsste ich diese Generation objektiverweise als ein okayes RPG einstufen, jedoch macht Pokémon durch seinen Charme, den ich an keiner bestimmter Sache festmachen kann, so viel Laune, dass ich es nur empfehlen kann. Ja, auch an Leute wie mich, die knallhart an den alten Spielen festhalten. Auch Neueinsteiger in die Serie sollten komplett eintauchen können. Und das obwohl es ständig Anspielungen auf die anderen Regionen dieser verrückten Monsterwelt gibt. Die muss man nicht verstehen. Tue ich ja ehrlich gesagt größtenteils auch nicht und habe trotzdem meinen Spaß. Aber genug davon. Sonne/Mond ist toll. Wer einen 3DS hat, sollte zuschlagen. Egal ob Fan oder nicht.

 

STOPP!!

Beinahe hätte ich es vergessen! Beinahe hätte ich sie vergessen! Jetzt weiß ich wieder, warum mit Sonne/Mond so sympathisch ist! Team Skull. Da ich nicht zu viel verraten möchte und das Review eigentlich schon vorbei ist, halte ich mich kurz. Team Skull ist das beste was jeder Art von RPG passieren kann. Oh ja! Eine Gruppe missverstandener Teenager, die irgendwo nach Zusammenhalt sucht. Endlich wird man mitgenommen und denkt über die Charaktere nach. Ich möchte ein Pokémon Skull, indem ich eure Pokémon stehle! Ja, das ist ein guter Plan, yo. Ihr könnt mir nix, yo!

Yo, was glotzt du so Alter!


Schon von unseren Podcast gehört? Mehr dazu findest Du auf uninstall-wizards.de!

    3 thoughts on “Ran an die Bälle! – Pokemon Sonne/Mond Review

    1. pKay

      Wir brauchen mehr rewievs…. ich hab nichts mehr zu lesen wenn ich auf der arbeit auf dem pot sitze wenn hier nichts gepostet wird!

      mfg pKay

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