Von Pferdeschwänzen und Bullenschweinen – Die bunte Seite der Macht

Von Pferdeschwänzen und Bullenschweinen – Die bunte Seite der Macht

Von Pferdeschwänzen und Bullenschweinen – Die bunte Seite der Macht

Masterweit Review, Textbeitrag 24. März 2017 Comments

Nachdem ich zuletzt meinem Hass gegen Depeche Modes neuen Album Spirit an dieser Stelle bereits Ausdruck verliehen habe kümmere ich mich heute um eine andere neue Erscheinung. Heute ist „Die bunte Seite der Macht“ von SDP dran. Auf geht’s!

Nachdem das Album Kontrastprogramm SDP 2010 dank des YouTube Videos zu „Ne Leiche“ überraschend erfolgreich werden ließ, erschien 2012 Die bekannteste unbekannte Band der Welt. Von diesem Album ist vor allem „Die Nacht von Freitag auf Montag“ populär geworden. Bunte Rapublik Deutschpunk setzte den Erfolg fort, hatte jedoch keinen Flaggschiff-Song der allein größere Popularität erlangte. 2015 erschien dann Zurück in die Zukunst, welches mit „Ich will nur dass du weißt“ auch den endgültigen Einstieg in den Mainstream schaffte, nicht zuletzt dank Adel Tawil der für die Radioversion den Refrain einsang. Nun kommt also Die bunte Seite der Macht. Zumindest der Albumtitel kann mit den Vorgängern mithalten, aber schafft die Musik das auch?

Das Intro lasse ich mal außen vor, neu ist der Sprecher zwischen den Songs bei SDP ja nun längst nicht mehr. Stonedeafproduction starten mit „Leider wieder da“ in die neue Platte. Und der Song verspricht direkt eine ganze Menge für die folgenden Minuten. In bester Gute-Laune-Musik sarkastisieren sie sich durch die ersten Minuten und pflegen ihr Image als „bekannteste unbekannte Band der Welt“.

Der erste Song direkt ein Kracher – was soll jetzt noch schiefgehen? Genau, direkt der zweite Song. „Zeit verschwenden“ handelt von der Jugend, büßt aber im Gegensatz zum ersten Song die Eingängigkeit zugunsten von Rap ein. Da kommt dann irgendeine Mischung aus beidem heraus, so richtig funktionieren tut es schließlich nicht. „Ja Ja aka. LMAA“ überzeugt erst in der zweiten Hälfte so richtig, ist aber ebenfalls solide. Dann darf Sido erstmals nach längerer Zeit wieder mit ran, eigentlich ein gutes Omen, hatte man doch mit „Ne Leiche“ und „Die Nacht von Freitag auf Montag“ die größten Hits zusammen mit Sido aufgenommen. „Bullen, Schweine“ provoziert natürlich absichtlich um dann doch völlig harmlos zu sein – ganz klassisch SDP eben. An die Genialität der letzten beiden Songs kann dieser zwar nicht heranreichen, aber auch er hat das übliche Ohrwurm-Potenzial. „So schön kaputt“ ist eine Geschichte langer Freundschaft, die textlich ausgesprochen stark daherkommt. Er gehört momentan bereits zu den auf Spotify meistgehörten Songs des Albums.

Dann kommt ein wirklich furchtbarer Skit, der mehr nervt als dass er irgendwie Entertainment darbieten würde. Vor allem weil er den Hörer fast 2 Minuten aufhält.

Dann lieber direkt weiter mit dem nächsten Song. Der Text von „Das Leben ist ein Rockkonzert“ klingt arg weit hergeholt („Das Leben ist ein Rockkonzert, manchmal musst du pogen“), was allerdings die musikalische Stärke des Refrains wieder rausreißt. Leider sind dafür die Strophen langweilig und die Bridges furchtbar. „Am schönsten“ und „Echte Freunde“ sind klassische Füllsongs. Immerhin durfte bei letzterem noch Prinz Pi mit seiner klassischen „Ich hasse die Welt“-Einstellung mitwirken.

Nach einem weiteren Skit fühlt man sich an die frühen Ärzte erinnert. Spaßpunk mit schlüpfriger Pointe („Sie sucht nen Mann mit Pferdeschwanz, die Haare sind egal“), das ist was die Ärzte großgemacht hat und auch in der Moderne noch funktioniert. Der Song ist trotz des doch sehr banalen Textes eine richtig gute Nummer. (PS: Wenn ich etwas mit den Ärzten vergleiche dann ist das das höchstmögliche Lob)

Es folgt „Friendzone“. Ein wirklich nicht schlechter Song, auf den ich allerdings zunächst eine Minute warten muss weil der Skit keinen eigenen Track hat. Und das ist schwer verständlich weil die Skits sonst allesamt eigene Tracks haben. Zwischen den Strophen wird dann auch noch geredet, der Song hört zwischendurch immer wieder auf. Und ganz am Ende gibt es dann noch eine „richtige“ Version des Songs, die hält aber nur 40 Sekunden. Schade, Friendzone“ hatte Potenzial und wurde durch eine Designentscheidung zugrunde gerichtet.

Nach dem schwachen „Nicht mein Problem Remix“ kommt dann die klassische SDP-Partyhymne die auf jedem Album zu finden ist – „#DAMDAMDAM“. Für ein richtig gutes Partylied sind die Strophen zu lang, der Text hingegen ist einfallslos genug („Und die Melodie geht so…“). Melodisches Potenzial wurde hier verschenkt. „Millionen Liebeslieder“ ist dann wieder eine ausgesprochen gute Ballade, zu vergleichen mit „Ich will nur dass du weißt“. Das Ende stellt dann ein achtzehneinhalbminütiger Track mit dem Albumtitel dar. Den hätte man sich entweder sparen können oder zumindest die musikalischen Einlagen als Einzeltracks anlegen können. Denn 18:31 hört man einmal und dann die wieder.

Die bunte Seite der Macht enthält insbesondere in der ersten Hälfte eine Menge guter Musik. Der grandiose Anfang bleibt über das Album aber leider fast unüberboten. „Millionen Liebeslieder“ und „So schön kaputt“ haben Hitpotenzial. Andere musikalisch gute Ideen wurden allerdings durch fragwürdige Designentscheidungen teilweise torpediert. Der klassische SDP-Humor bleibt natürlich.


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