Silent Hill: Shattered Memories – der kompakte Horror [52 Games]

Silent Hill: Shattered Memories – der kompakte Horror [52 Games]

Silent Hill: Shattered Memories – der kompakte Horror [52 Games]

Besiuk Blog, Textbeitrag 27. September 2016 Comments

Im Zuge der 52Games-Aktion von Zockwork Orange habe ich mich auch mal dazu verleiten lassen, euch mal wieder einen kleinen Einblick in die Welt der Besiuk’schen Erinnerung zu verschaffen. Das dieswöchige Thema: In aller Kürze – Das beste Zeug, was man unter zehn Stunden durchprügeln kann. Unter dieser Voraussetzung fallen grundsätzlich sehr viele storyfokussierte Games raus. Wäre aber gelacht, wenn ich nichts finde was mich begeistert und gleichzeitig kein reines Mechanik-Spiel ist.

So fielen mir drei Titel ein: SpecOps: The Line, To the Moon und Silent Hill: Shattered Memories. Zwar habe ich in den Podcasts schon zu genüge über alle drei geschwärmt, grundlos war es jedoch nie. SpecOps bietet mit seiner Geschichte eine etwas andere Herangehensweise an den Militaryporn, der uns schon seit Jahren in der Industrie begleitet und To the Moon hingegen, rührt uns mit seiner Erzählung der persönlichen Schicksale einzelner Charaktere zu Tränen. Beide Spiele haben aber leider ein grundsätzliches Problem. So gut die Story auch sein mag – das eher mittelmäßige Gameplay macht es nicht wieder wett. Das Spiel worüber ich (nach dieser elend langen Einleitung) eigentlich reden wollte, bietet zwar auch keine Gameplayrevolution, dafür macht es aus dem was ihm zur Verfügung steht, ein Nahezu-Meisterwerk. Die Rede ist natürlich von Silent Hill: Shattered Memories für die Nintendo Wii.

Es werde Licht!

Es werde Licht!

Die Plattform ist hier wichtig! Shattered Memories erschien auch für die Playstation Portable und Playstation 2, diese sind aber so gesehen nicht der Rede wert. Dadurch, dass das Spiel komplett für die Fuchtelsteuerung ausgelegt wurde, erschlossen sich dort Möglichkeiten, die ich davor noch nie gesehen habe. Aber erst mal sollte ich vielleicht erzählen was Shattered Memories eigentlich ist. Ich gehe einfach mal davon aus, das Silent Hill jedem ein Begriff sein sollte. Der Playstation-Klassiker hatte durch ein geschicktes Ausnutzen der eigenen technischen Limitierung ein atmosphärisches Wunderwerk erschaffen. Shattered Memories ist eine Neuinterpretation dessen. „Ihh, Reboot!“ mag sich jetzt der eine oder andere denken. Hier trifft das aber nur teilweise zu. Tatsächlich spielt hier das Spiel mit unserer groben Erinnerung an den ersten Teil. Jeder kennt es: Man erlebt etwas, will es Jahre später jemandem nacherzählen, kriegt die Fakten aber nicht mehr ganz hintereinander. So in etwa muss man sich das ganze vorstellen, wenn man dieses Silent Hill zum ersten Mal einschaltet. Das Spiel hält sich sehr vage an die Geschichte des ersten Teils und gerade wenn der schon paar Jahre her ist, denkt man sich ständig: „Ja, ich erinnere mich, so in etwa war das.“

Wir spielen zwar Harry Mason, der nach seiner verlorenen Tochter Cheryl in dem verfluchten Städtchen sucht, alles scheint aber anders oder gar falsch. Dazu wird das Gameplay ständig durch seltsame Sequenzen unterbrochen, bei denen wir beim Psychiater sitzen und seine Fragen beantworten. Die Antworten wiederum wirken sich auf Silent Hill selbst aus. Wir werden zum Beispiel gebeten ein Bild von einer Familie auszumalen. Diese Familie treffen wir im Laufe des Spiels und sehe da: sie tragen die Kleidung, die wir sozusagen entworfen haben. Das einzige mir bekannte Spiel, welches eine ähnliche Mechanik besitzt, ist Until Dawn. Dort wurde ein ähnlicher Ansatz benutzt, um die Ängste des Spielers herauszufinden und sie dann im Spiel selbst gegen ihn zu verwenden. Es bleibt aber nicht nur dabei. Schaut man in Gesprächen mit weiblichen Charakteren nicht in deren Gesichter sondern ins Dekolleté, wird man schnell als Lustmolch enttarnt und die Welt passt sich weiter unserer „wahren“ Persönlichkeit an. Silent Hill ist eben der Spiegel unserer Seele!

Wenn wir jetzt aber nicht gerade als Perversling enttarnt werden, fliehen wir von der widerlichen gestalten der Nacht und versuchen zu überleben um unsere Tochter zu finden. Hier ist Shattered Memories knallhart. Es gibt keine Waffen. Unser einziges Werkzeug ist eine Taschenlampe mit der wir die Monster kurzzeitig abwehren können. Ansonsten heißt es laufen, laufen, laufen. Wie ich bereits sagte, es bietet keine Gameplayrevolution. In Verbindung mit den Features erzeugt es ein so stimmiges Erlebnis, wie ich es kaum bisher erlebt hatte. Und dann wäre noch das Handy… Hanry Mason besitzt ein Mobiltelefon. An sich nichts Besonderes. Damit können wir Fotos machen und Anrufe tätigen. Wer wollte nicht schon immer mal von der Konami Service-Hotline abgewimmelt werden, weil der Anruf aus Silent Hill kommt? Das einfachste aber zugleich gruseligste, sind die Anrufe von Cheryl. Es gibt ja schon kaum was Schlimmeres als die Verbindung von düsterer Horroratmosphäre und kleinen Mädchen. Die Anrufe werden dazu durch den kratzenden Wiimote-Lautsprecher wiedergegeben. Wenn das Kind dann auch noch anruft und „Daddy! Please, help me!“ weinend durch eine verrauschte Leitung schreit… da kriege ich Gänsehaut wenn ich nur daran denke. Aber ich nehme fast schon viel zu viel vorweg.

silenthillshatteredmemories01

Tot oder schlafend? You decide!

Das schöne ist: Shattered Memories ist ca. nur acht Stunden lang. Perfekt um es in einer, oder vielleicht zwei Nächten durchzuspielen. Es bietet fünf Enden, wobei ich jetzt nicht unbedingt sagen würde, dass es Sinn macht, alle zu erspielen. So sollte man aber zumindest zwei Durchgänge wagen, einfach um sich an jeder Stelle anders zu entscheiden und die Veränderungen der Welt zu beobachten. Und seid dem Spiel nicht böse, wenn die Stadt euer wahres Ich enttarnt!

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.