„Spirit“ ist, was Depeche Mode fehlt

„Spirit“ ist, was Depeche Mode fehlt

„Spirit“ ist, was Depeche Mode fehlt

Masterweit Review, Textbeitrag 24. März 2017 Comments

Dass es auf doldrums.de Filme und Games gibt ist ja hinlänglich bekannt. Aber Musik – das hatten wir noch nicht. Und da Besiuk in dieser Hinsicht ungefähr so bewandert ist wie ein Oberlippenbart zeitgemäß ist und Dima und ich uns sowieso nie einig werden können, mach ich das jetzt einfach.

Um einen kleinen Disclaimer einzubauen – alles was zum Thema Musik kommt beruht natürlich ausschließlich auf meinem eigenen Empfinden und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Fangen wir also an, heute soll es zunächst einmal um eine Neuerscheinung gehen. Anfang März erschien nämlich Spirit von Depeche Mode.

Depeche Mode gehört zu den legendärsten und erfolgreichsten Bands der Welt. Seit den 1980er Jahren sind sie regelmäßig auf Tour und alle 4 Jahre erscheint ein neues Album. Gealterte Stars, könnte man denken. Aber Depeche Mode kriegen auch heute noch eine tolle Performance auf die Bühne. Doch in den letzten Jahren wurden ihre Veröffentlichungen zusehends schwächer. Die alten Songs ziehen noch immer, die neuen Alben machen es einem mittlerweile wirklich schwer an eine der größten Bands überhaupt zu glauben. 2013 erschien mit Delta Machine das letzte Album vor dem aktuellen. Ein Hit blieb aus. Davor erschien 2009 Sounds of the Universe. Ein Hit blieb auch hier aus, obwohl „Wrong“ sich unter Fans großer Beliebtheit erfreute. 2005 landete Depeche Mode mit der Single „Precious“ vom Album Playing the Angel den letzten Welthit. 12 Jahre ist der jetzt her, zwei erfolgreiche aber schlechte Alben folgten. Jetzt also Spirit. Und bitte.

Spirit öffnet mit „Going Backwards“. Ein klassischer Synthie-Pop-Song wie wir ihn von Depeche Mode seit Jahren kennen. Problematisch dabei ist einzig, dass der Pop fehlt. Es klingt ein wenig, als hätte jemand im Tonstudio die Taste für den Bassboost nicht gefunden, leider bestätigt sich diese Vermutung im Laufe des Albums. Nach kurzer Zeit ist man der lahmen Eröffnung des Albums mehr als überdrüssig. Vielleicht macht es ja die bisher einzige Single-Auskopplung des Albums, „Where’s the Revolution“ besser. Und tatsächlich tut sie das. Auch hier möchte man den alten Herren zwar noch in den Hintern treten, damit sie etwas mehr Pepp in die Sache bringen aber insgesamt gehört der Song zu den besseren Werken des Albums.

Es folgt mit „The Worst Crime“ ein textfixiertes, ödes Stück. „Scum“ macht es dann mit mehr Tempo wieder besser, bevor „You move“ und „Cover me“ überhaupt nicht wissen wohin sie wollen und minutenlang vor sich hin öden. Mittlerweile fühlt man sich wie in der Hintergrundmusik für einen sehr langweiligen Sci-Fi Film in den David Gahan ab und zu leise hineinsingt. „Eternal“ ist dann eine bessere Ballade, die so ähnlich auch schon auf älteren Alben zu finden ist. Hier wird auch ausnahmsweise kein Kompressor für Dave Gahans Stimme verwendet, was den Song nostalgisch (und besser!) klingen lässt.

„Poison Heart“ betreibt dann wieder Narkosehilfe, nur damit „So much love“ die Stimmung die man bis jetzt von diesem Album hat zumindest titeltechnisch absolut konterkariert. „Poor man“ und „No more“ gehen dann wieder in die richtige Richtung, die Gitarrenlast wird verringert und die Konzentration geht mehr zum Synthesizer, der Depeche Mode ja schließlich großgemacht hat. Der letzte Song, „Fail“, macht seinem Namen dann alle Ehre und beendet ein durchwachsenes Album auf der schlechtesten möglichen Note.

Depeche Mode kann wiederholt nicht an die Erfolge der Achtziger und Neunziger anknüpfen. Construction Time Again (’83), Black Celebration (’86), Violator (’90) und Some great reward (’84) spielen nicht nur in einer anderen Liga, sondern in einem ganz anderen Sport.

Schade Depeche Mode, aber die Platte war Mist. Spirit ist nicht der Name eines grandiosen Back-to-the-roots-Albums, sondern vielmehr das was Depeche Mode seit Jahren fehlt.

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