Steam und seine Sales – Segen oder Fluch? (Pt. II)

Steam und seine Sales – Segen oder Fluch? (Pt. II)

Masterweit Segen oder Fluch?, Textbeitrag 29. November 2014 Comments

STEAMTHUMBEs ist wieder soweit! Der Steam Herbst Sale läuft und alle PC-Gamer reiben sich derzeit die Hände. Doch sind Steam Sales überhaupt sinnvoll? Sind sie nur ein Mittel um Valves DRM-Politik durchzusetzen und den PC Markt vollständig zu übernehmen? Und was wird aus den quälend vollen Bibliotheken von denen man ohnehin nichts spielt? Hier gibt’s die Antwort – vielleicht.

Valve hat mit dem Release von Half-Life 2 auch Steam obligatorisch für jede Hard- und Softcopy eingeführt. Das ist mittlerweile glatte 10 Jahre her und das zunächst verhasste und umstrittene System ist mittlerweile für jeden Gamer am PC obligatorisch geworden. Das liegt einerseits daran, dass Steam immer irgendwas reduziert und natürlich auch an den regelmäßigen groß angelegten 4 Sales im Jahr. Zu jeder Jahreszeit gibt es einen riesigen Rabatt auf nahezu jedes Spiel im Store. So sind zum Beispiel im aktuell stattfindenden Herbst Sale knapp 6.000 Games knallhart reduziert, der absolute Himmel für jeden Spieler, sofern er denn auf den PC fokussiert ist.Bestes Beispiel aktuell ist Wolfenstein: The New Order. Im ersten Drittel des Jahres erschienen, im letzten Drittel auf Steam für 17€ zu haben.

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Fast 6000 reduzierte Games bietet Steam derzeit an.

Diese Politik trifft bei den Usern natürlich auf breite Zustimmung, den Einzelhändlern allerdings stößt sie sauer auf. GameStop meldet, dass die Verkäufe für PC-Spiele enorm zurückgehen und nur noch Leute mit enorm schwachem Internet auf den Einzelhandel zurückgreifen.

Daher muss sich GameStop gänzlich auf Gebrauchtspiele für die Konsolen fokussieren, was selbstverständlich nicht den kompletten Konzern auf Dauer am Laufen halten kann. Das wiederum führt zur Schließung von Filialen und zur Entlassung von Mitarbeitern. Nimmt Valve also den Fachverkäufern die Arbeitsplätze weg?

Natürlich tun sie das. Und weil es auf Dauer immer weniger Einzelhändler geben wird, festigt Steam seine Vormachtstellung noch weiter. Doch nicht nur Steam nimmt Einzelhändlern wie GameStop die Kunden weg.
Auch Keystores wie GoG oder MMOGA vertreiben Spiele zu niedrigen Preisen, die oft sogar unter dem Level von Steam liegen. Wenn man über einen Keystore ein Spiel kauft, erhält man einen Produktschlüssel den man dann bei Steam (Wo sonst?) aktivieren kann. Allerdings liegen diese Keystores in einer rechtlichen Grauzone, was zu einer Anklage durch verschiedene Einzelhändler führte.

Die Steam Machine. Das kommende Weltherrschaftsinstrument von Valve Chef Gabe Newell?

Viele Spieler haben sich mittlerweile sogar deswegen gegen die Konsolen entschieden, da dort solche Sales nicht üblich bis gar nicht vorhanden sind. Dafür bieten Sony und Microsoft ihr PSPlus bzw. GwG Programm an, mit dem man jeden Monat 2 Titel geschenkt bekommt. Schlussendlich kosten Konsolenspiele aber tendenziell mindestens 10€ mehr als unreduzierte (!) PC-Games. Auch Valve will mit den Steam Machines bald in den Konsolenmarkt einsteigen, und das kann harte Konkurrenz für Nintendo, Sony und Microsoft werden.

Trotz eines solch genialen Schachzuges wird Valve oft für seine DRM-Politik kritisiert, welche besagt dass man z.B. keine Spiele verleihen kann. Mit dem Family Sharing wurde diese lang gefordert Möglichkeit eingeführt, allerdings kann nach wie vor nur ein Account auf die geteilte Bibliothek zugreifen. Wenn mein Freund also auf meine Bibliothek zugreift und Fallout 3 spielt, kann ich parallel nicht Half-Life 2 Spielen. Drängt uns Valve also seine DRM-Politik auf, da der geneigte Spieler keine andere Wahl hat als Steam zu nutzen? Nein. Valve muss diese Politik fahren, da sonst irgendjemand Steam leerkaufen könnte und alle anderen könnten davon zehren – und das wäre nicht Sinn der Sache.

Valve ist allerdings nicht nur auf den eigenen Profit aus, sondern kümmert sich auch um den Support und die Entwicklung von neuen Games. Abgesehen davon, dass alle Spiele die von oder mit Valve entstanden sind zuerst auf Steam erscheinen, gibt es auch noch das Steam Greenlight Projekt. Dabei kann jeder Entwickler sein Spiel an Valve schicken und es von der Community „greenlighten“ lassen, das heißt, dass die Community die Spiele prüft und über einen möglichen Steam Release entscheidet.

Greenlight

Auf Steam Greenlight kann man über den Steam-Release von Indiegames entscheiden.

Das wahre Problem der Steam Sales ist eigentlich, dass durchschnittlich 98% der in einem Sale gekauften Games nie durchgespielt werden.
Die Schnäppchen- und die Irgendwann-Werd-Ich-Das-Schon-Spielen-Mentalität machen es wirklich schwer, sich bei Sales zurückzuhalten. Wenn ich auf ein Spiel nicht mehr länger warten kann, dann warte ich auch nicht auf einen möglichen Sale. Daher kauft man im Sale vorwiegend Spiele, an die man sich zurückerinnert hat, die man irgendwo auf seiner Wunschliste vergessen hat, oder die eben ansprechend aussehen.
„Ja gut, für den Preis…“

Natürlich schadet Steam dem Einzelhandel, allerdings fokussiert dieser sich mittlerweile ohnehin auf die Konsolen. Die Sales sind eine Bereicherung für die Gamer, und das ist auch gut so. Ohne Steam wären wir alle um einige geniale Spiele ärmer – und wir hätten womöglich nie unser Lieblingsfranchise entdeckt…

    6 thoughts on “Steam und seine Sales – Segen oder Fluch? (Pt. II)

    1. DSee
      DSee

      Wenn die Spielpreise dort dieselben sind wie im PC-Store, übernimmt die Steam Machine den Markt – und Sony und Microsoft schauen zu.

      Die Steam Machine ist „nur“ ein PC mit SteamOS welche den normalen Steam Store benutzt. Ein Konsolenersatz ist es nur in verbindung mit Spielen die Controllersupport bieten.

      Trotz eines solch genialen Schachzuges wird Valve oft für seine DRM-Politik kritisiert, welche besagt dass man z.B. keine Spiele verleihen kann. Mit dem Family Sharing wurde diese lang gefordert Möglichkeit eingeführt, allerdings können nach wie vor keine über Steam “geshareten” Spiele parallel von 2 Accounts gespielt werden.

      Die beiden Sätze zusammen klingen als ob es auf anderen Platformen möglich wäre ein Spiel zu verleihen und trotzdem selbst zu spielen.

      • Masterweit
        Masterweit

        Die PlayStation ist so gesehen auch nur ein PC mit SonyOS. Und als Konsolenersarz sehe ich die Steam Machines eben da sie Maus- und Tastatursupport bieten werden, was bei den anderen Konsolen noch auf sich warten lässt.
        Beim zweiten Beispiel hast du natürlich Recht, das klingt doch etwas anders als ich wollte. Die Passage ist geändert.
        Danke für die Tipps!

        • DSee
          DSee

          Mein Kommentar bezieht sich auf deine Formulierung, dass die Preise auf der „Steam Machine“ möglicher Weise [u]NICHT[/u] die selben Preise wie auf dem PC sind. Es steht außer Frage, denn es ist ein PC mit Standard PC Hardware benutzt mit einem Angepassten Debian basiert welches Steam im Big Picture Mode startet . Das SteamOS ist frei verfügbar und lässt sich auf eigenen Systemen Installieren. Hab ein Lenovo Q180 mit SteamOS im Wohnzimmer , OrbisOS (aka SonyOS)geht leider nicht drauf . Das ist auch der Grund warum auch andere Hersteller „Steam Machines“ herstellen dürfen genau wie es der Grund für Tastatur- und Maussupport ist.

    2. Holger

      Das positive an Steam bzw Valve ist, dass sie zwar gerne Profit machen, sich aber auch sehr um die Zufriedenheit von Kunden und die Förderung von Entwicklern kümmern, das gefällt mir gut. Den Registrierungszwang haben inzwischen alle, von Minecraft über Ubisoft bis hin zu dem übelsten aller Publisher, Electronic Arts. Wenn ein Kumpel nen online Titel aus meiner Bibliothek spielt und man selber HL2 spielen möchte, geht das ganz prima mit Steam, wenn man sich offline anmeldet. Und wenn man sich im Sale Spiele kauft, die einen interessieren, die aber nicht ins Budget passten, ist das doch ne gute Möglichkeit, solche Titel (an)zuspielen. Gut für die jeweiligen Entwickler, die wenigstens ein bisschen Geld verdienen und ein wirksames Mittel gegen Produktpiraterie. Mir ist Steam jedenfalls lieber, als so üble Abzocker wie EA. Denn Left 4 Dead 1 kann ich über Steam immer noch online zocken, die alten Battlefield Titel nicht, weil EA die Server abgeschaltet hat. Und die Einzelhändler tun mir wenig leid, denn sie verpassen die Trends und Amazon.co.uk war schon immer günstiger als GameStop und Steam, insofern folge ich dem günstigsten Preis. Für mich ist Valve bzw Steam eine echte Bereicherung und eine echte Empfehlung. Und am man auch ne PS hat, dann kann man die meisten Steam Titel auf beiden Plattformen spielen und muss das Spiel nur einmal zahlen. Steam? Finde ich gut dem es ist für mich die genialste Plattform für Gamer!

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