Survival Games – Segen oder Fluch? (Pt.IV)

Survival Games – Segen oder Fluch? (Pt.IV)

Masterweit Segen oder Fluch?, Textbeitrag 25. Februar 2015 Comments

HeaderWir schreiben das Jahr 2014. Die erste Alpha der Standalone-Version der früheren Arma 2 Mod DayZ wird veröffentlicht. Was diese Veröffentlichung lostreten sollte, und ob man Survival Games wie DayZ wirklich braucht – das gibt’s hier. Segen oder Fluch?

Das Genre des Survival Gaming erlebt im Moment seinen Höhepunkt. Gefühlt jedes neue Spiel auf Steam vereinigt die Features von Survival und Open World.
Doch wie begann das ganze eigentlich?
1981 kam das erste Wolfenstein auf den Markt. Hier war es erstmals möglich, zum regenerieren seiner Gesundheit Essen zu sich zu nehmen. Nach diesem Grundsatz handeln auch 34 Jahre später noch alle Survival Games. Aber Wolfenstein hat diese Welle natürlich nicht losgetreten.

Vielmehr war es Markus Persson alias Notch, welcher mehr oder weniger für den Survival-Hype verantwortlich ist. Er vereinigte bei seinem Ein-Mann-Projekt Minecraft erstmals die Elemente, die Survival heute so groß machen – eine offene Welt, Feinde die einem nachts auflauern, und natürlich das Essen-um-zu-überleben-System. Auch das Schlafsystem (man kann nicht schlafen wenn Feinde in der Nähe sind) ist nach wie vor Grundstein des Survival-Gamings.

Da Arma 2 ja bekanntlich einen großzügigen Modsupport mitbringt, sind einige Fans auf die fixe Idee gekommen Minecraft in eine realere Welt zu kopieren. Als MMO-Mod mit deutlich zugespitzten Grundregeln (mehr und Öfteres Essen, Gegner nicht nur nachts) wurde DayZ ein riesiger Erfolg. Ein Erfolg, von dem nun auch andere etwas abhaben wollten.

Da bot das Early Access System von Steam eine willkommene Gelegenheit für Indie-Entwickler, ihre Ergüsse schon in Alpha-Zeiten mit dem Spieler zu teilen. Dieses System hat sich mittlerweile durchgesetzt und wird von fast jedem Indie-Entwickler zur Finanzierung der restlichen Entwicklung genutzt, manche Entwickler gehen gar nicht mehr über das Beta-Level hinaus.
Schlimm genug, da sogar die großen Publisher mittlerweile unfertige Spiele herausbringen – nur eben als Vollpreistitel und ohne Early Access Kennung. Early Access ist generell keine schlechte Sache, nur sollte man sich nicht zu sehr darauf verlassen. Ich habe mittlerweile wieder Lust auf ein fertiges Spiel, dass ich ohne Patches einfach spielen kann ohne auf das nächste Update oder den nächsten Hotfix warten zu müssen. Es wäre so schön. Das letzte wirklich vollständige Spiel, dass ich spielen durfte war Wolfenstein: The New Order. Doch auch das bekam einen Patch von 5 GB zu Release. Aber wenigstens kam er überhaupt zu Release.

Aber zurück zu den Survival Games. Optimale Verhältnisse also, ein wachsender Indie-Markt, großer Erfolg von DayZ, Kickstarter und Patreon als Finanzstützen und schließlich Early Access und Steam Greenlight – die Formel für so ziemlich jedes Survival Game dieser Tage.

Steam-Logo

Valves Early Access Programm ist ein gutes Sprungbrett für Indie-Entwickler.

Und diese Formel wurde immer wieder abgewandelt, neu geschrieben, erweitert, verkleinert oder über den Haufen geworfen – Fakt ist, dass dabei ziemlich viele Spiele herauskamen. Die Standalone-Version von DayZ, Nether, The Forest, H1Z1, Stranded Deep, Altis Life, Rust, Breaking Point und nicht zuletzt auch sandboxartigere Spiele wie Cube World, Starbound, oder zuletzt Creativerse. Nicht zu vergessen zahlreiche andere Spiele und viele (zu Recht) gescheiterte Kickstarter Kampagnen.

Aber ist diese Flut nun ein Segen, oder eher ein Fluch?

In meinen Augen ist sie irgendwo beides. Es ist eine absolute Bereicherung für die Spielelandschaft, wenn jedes kleine Entwicklerteam ein eigenes Spiel machen kann. Allerdings könnten Sie sich dadurch auch in Unkosten stürzen, was bei einem nicht erfolgreichen Spiel schnell auf sie zurückfallen kann.

Ich brauche wenn überhaupt nur ein Survival Game, da die Differenzen von Spiel zu Spiel kaum spürbar sind. Nur weil ein Spiel in den Tropen und eins in den Bergen spielt, ist das längst kein Kaufgrund.
Egal wie umfangreich das Craftingsystem, wie groß die Spielwelt, wie gut die MMO-Funktionen – Survival bleibt irgendwo dann doch immer Survival. Und seien wir mal ganz ehrlich – wir haben mittlerweile echt genug davon.
Wenn nun sogar schon Sony mit H1Z1 auf den Zug aufspringt, spätestens dann ist ein Genre am Boden. Aber es ist noch immer kein Ende in Sicht. Survival erlebt einen Hype – aber gut für die Industrie ist das nicht.
Es erinnert mich viel mehr an den Videogame Crash in den Achtzigern, als der Markt mit minderwertigen Games überschwemmt war. Das kommt auch dem Early Access wieder sehr nahe, denn die Spiele hatten damals ungefähr die Qualität eines heutigen Indie-Survival-Games bei seiner Early-Access-Veröffentlichung.

Ich bleibe skeptisch und frage mich: Wie lange wird die Formel funktionieren? Hoffentlich ist es bald vorbei – ich kann unfertige Indie-Games im ewigen Early-Access nicht mehr sehen.

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