Und jetzt weiß ich auch nicht mehr… – Deponia Doomsday Review

Und jetzt weiß ich auch nicht mehr… – Deponia Doomsday Review

Masterweit Review, Textbeitrag 8. März 2016 Comments

DeponiaDDass Spiele von Daedalic skurril sind, ist bekannt. Dass sie ab und zu zwischen Sinn und Unsinn springen, auch. Aber Deponia Doomsday, der neueste Teil der Adventure-Trilogie um den tollpatschigen Träumer Rufus, bricht im Grunde mit all diesen Regeln… (Mit Spoilerteil)

Eigentlich sollte dieses Spiel gar nicht erscheinen. Nach dem Ende des dritten Teils der lediglich als Trilogie geplanten Serie wurden die Fans vor ein unbefriedigendes Ende gestellt. Die Hoffnung auf einen Nachfolger versagte nie, auch 2 Jahre nach Release des letzten Deponia-Eintrags in die Daedalic Vita nicht. Und dann war es soweit – ein kurzer Teaser und eine Woche später steht auf einmal Teil 4 in den Läden. Na ja, zumindest auf Steam.

Also – gibt es für Rufus und Goal nun endlich das erwartete Happy End? Das wäre zu einfach. Schauen wir uns das doch mal genauer an.

Die erste Person die uns namentlich vorgestellt wird, ist Frank Zander. Mehr muss ich zum Humor von Deponia Doomsday nicht sagen. Aber ich will. Wie schon seine Vorgänger macht Deponia Doomsday humortechnisch alles richtig. Sei es, einem kleinen Jungen einen Bart aus Bienen anzukleben, damit er als Erwachsener durchgeht, oder sprichwörtlich einen Stern vom Himmel zu holen – der Humor ist wie üblich unfassbar platt. Und das ist nichts schlechtes, schließlich haben die Vorgänger von Deponia Doomsday es doch allesamt genauso gehalten.

Außerdem wird der Humor reichlich schwarz (Madengelee im Mixer machen) und sexistisch („War das ein Piercing? Oha.“), was sich allerdings gerade zum Ende des Spiels leider immer mehr legt. Außer Goal holt ihre Brüste raus (nach diesem Satz steigen die Verkaufszahlen ins Millionenfache).

Deponia 4 wartet jedoch nicht nur mit neuen Witzen, sondern auch mit neuen Charakteren in Hülle und Fülle auf. Man trifft im Spiel wieder allerhand skurriler Personen, wobei der Ausdruck „Zwei Typen im Elefantenkostüm, die im Porzellanladen wohnen“ wohl reicht.

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Ich sag ja – pinke Elefanten!

Der Aufhänger von Deponia Doomsday ist von Beginn an klar – es war alles nur ein Traum. Rufus wacht in seiner Heimatstadt Kuvaq kurz vor den Ereignissen von „Deponia“ auf. Er ist sich sicher alles nur geträumt zu haben, was wir allerdings relativ schnell widerlegen können. Und dann beginnt ein kurioses Spiel um Zeitportale, Personen die in mehreren Paralleluniversen gleichzeitig existieren und natürlich um Rufus und Goal. Das funktioniert allerdings nur stellenweise. Teilweise führen Situationen zu Frustmomenten, in denen man unter Zeitdruck aufpassen muss, dass die Zeit nicht zurückgesetzt wird und man den Abschnitt von vorn beginnen muss. Hier hilft oft nur simples Trial & Error, und manchmal sind die Lösungen so abwegig, dass man sie erst nach einer gefühlten Spielstunde knacken kann.

Die Geschichte wird zu Beginn noch recht gemächlich erzählt und beginnt erst ein wenig an Tempo zu gewinnen, wenn es dem Ende entgegengeht. Dann allerdings viel zu sehr, was den Storyfluss durcheinander bringt und einem zahlreiche „Was? Warum?“ – Momente beschert. Durchzogen ist das ganze von vielen verschiedenen Schauplätzen, an denen man im klassischen Adventurestil versucht Rätsel zu lösen um weiterzukommen. Dabei fehlt allerdings nicht wie in den Vorgängern teilweise der storytechnische Antrieb, Deponia Doomsday bleibt immer nah am Hauptstrang der Geschichte und daran tut es auch gut.

Denn die Story wird zum Ende ein komplexes Gebilde von Zeitsprüngen, bei denen man irgendwann nicht mehr so recht weiß, wo man ist, wer man ist und was eigentlich das Ziel der Charaktere ist. Am Ende werden diese Zeitsprünge und Storyverwebungen leider gänzlich undurchsichtig und man fragt sich einfach nur noch warum. Warum hat man die Story teilweise so unnötig verkompliziert, dass sich zeitweise der Protagonist selbst irgendetwas zusammenreimt um auf verschiedenste Lösungsansätze zu kommen? Warum hat man, wenn man denn schon ein Prequel macht, eins gemacht dass generell jegliche storytechnische Relevanz für den Rest des Universums vermissen lässt?

Während des Spiels frage ich mich oft – was soll das? Screens, in denen hinterher klar wird, dass sich jemand darin befunden haben soll, den wir nicht sehen konnten – okay. Aber wenn wir eine Kameraeinstellung haben, in der sich diese Person klar und deutlich im Vordergrund befindet, dann ist das nicht überraschend, dann ist das einfach nur einfallslos.

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So läuft das hier in Kuvaq! Skurril wie immer.

Genauso einfallslos wie das neue Feature der Quick-Time-Events die ins Spiel integriert wurden. Unnötig sind sie nicht unbedingt, aber von notwendig kann hier auch nicht die Rede sein.

FAZIT:

Ich mag Deponia Doomsday. Zeitweise ist es mir zu düster, einige Passagen sind schlecht durchdacht, einige Rätsel sind absoluter Humbug und das Spiel ist eigentlich völlig unnötig. Aber es ist Deponia, und Deponia ist toll. Zum Ende komme ich gleich noch im Spoilerteil, keine Angst, aber widmen wir uns erstmal dem wichtigen Teil: Kaufen oder nicht kaufen? Ich gebe zu, storytechnisch war ich mit dem Ende von Goodbye Deponia zufriedener, dennoch: Wer Bock auf ein klassisches Point & Click mit fantastischen Synchronsprechern (DAVID F*CKING HAYTER) hat, der kann Doomsday sogar als Quereinsteiger kaufen. Wer keine Verwirrung will, und wem an Rufus und Goal etwas liegt, der greift womöglich nicht zu.

Übrigens: Wer sich Deponia Doomsday auf Steam kauft, der erhält ein Artbook, die Concept Arts, sowie den Soundtrack gratis dazu!

SPOILER:

Das Ende. Eieiei. Zwar sagt uns der Hussa-Mann Poki (dessen Fehlen im Spiel mich nicht so kalt gelassen hat wie die Entwickler vielleicht glauben mögen) noch im Intro „Es ist doch längst evident, es gibt hier kein Happy End“, aber man musste es doch alles nicht unbedingt noch schlimmer machen, oder?

Wenn Rufus in „Goodbye Deponia“ loslassen muss und in die Tiefe stürzen muss um die Menschheit zu retten, dann ist das tragisch. Aber wenn ich in Doomsday sogar die Möglichkeit bekomme Rufus zu retten, es aber nicht tun kann, weil dies die Zeitlinien durcheinander wirbeln würde, dann ist das ein Schlag ins Gesicht. Warum macht man einen neuen Teil, in dem man das alte Ende verhindern soll, und sagt uns dann am Ende: „Nöp, geht nicht. Musst du halt sterben.“

Dieses Ende nervt mich unheimlich an. Ich weiß, es ist Absicht, aber ich komme noch nicht damit klar. Dieses Spiel macht mich fertig. Und aus den 20 versprochenen Stunden wurden sehr schnell 12.  Na ja, egal, vielleicht kommt da ja doch noch was nach.

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