Veränderung des Medienkonsums Teil 4 – Digitaler Vertrieb

Veränderung des Medienkonsums Teil 4 – Digitaler Vertrieb

Besiuk Blog, Textbeitrag 17. Juli 2015 Comments

konsumdigitalervertriebDiese Woche kämpft Besiuk gegen seine Angst vor der digitalen Apokalypse und vemisst die alten Traditionen eines Gamers. Klingt komisch, hat aber hier und da seine Richtigkeit!

Wie ich schon in der letzten Woche erwähnt hatte, bange ich mit mir, welche Games ich auf welcher Plattform spielen soll. Es gibt einen Titel, bei dem mir die Entscheidung durch das Genre abgenommen wird und bei dem ich sagen muss, dass ich damit recht zufrieden bin. Es handelt sich um Anno 2205. Der Kauf steht schon seit dem Ankündigungstrailer fest, jedoch kann ich mich nicht entscheiden in welcher Form ich es haben möchte. Es gibt drei Varianten: Die klassische DVD-Version wie sie im Elektrofachhandel in den Regalen zu finden ist, die Collectors Edition mit Steelbook, Artbook, Soundrack, Poster und Season Pass, und zum Schluss die digitale Version auf Uplay.

Für 80€ heutzutage eigentlich ein Schäppchen!

Für 80€ heutzutage eigentlich ein Schäppchen!

Da Anno bei mir einen höheren Stellenwert unter den Aufbauspielen, als bespielweise ein Tropico oder Sim City hat, wäre ich nicht abgeneigt die knapp 80€ für die Collectors Edition zu Zahlen. Da ich sowieso ein Sammler bin, gibt es da kein wenn und aber. Wäre da nicht ein Problem. Ich habe kein Laufwerk! Durch die ständige Kauferei auf Steam und co., habe ich beim zusammenstellen meines PCs vor einigen Jahren, nicht einen Gedanken darüber verloren, ob ich möglicherweise jemals eine Disc in den Rechner reinlegen werde. Klar, das Case kommt natürlich auch mit einem Key, den ich bei Uplay wahrscheinlich sogar einlösen MUSS, aber trotzdem ist es erschreckend, wie frühere essenzielle Komponenten eines Computers durch die Veränderung wie wir konsumieren, einfach verschwinden und sie kaum einer vermisst.

Da Steam und seine Konkurrenten die Marktherrschaft schon seit Jahren übernommen haben ist ja nichts neues. An sich ist es auch erst mal eine positive Entwicklung für den Endverbraucher. Um ein Game zu kaufen, muss ich meinen Hintern kein Stück mehr bewegen, ich muss bei keiner lahmen Installation von Disc zugucken, ich kriege sofort alle Patches angeboten sobald sie verfügbar sind und ich muss mich nicht auf das physikalische Speichermedium und dessen Lebenszeit verlassen. Von der rein praktischen Sicht, ist es eine traumhafte Entwicklung.

Es klingt vielleicht ein Bisschen lächerlich, aber was ist denn mit der traditionellen Identifikation als Gamer? Meiner Meinung nach geht hier das meiste verloren! Ich erinnere mich noch vor ca. 10 Jahren, als ich mein Dead or Alive Ultimate für die erste Xbox gekauft habe. Ich ging in die Stadt, kramte in den Regalen und fand den besagten Titel. Nach dem Kauf ging ich zur Bushaltestelle, öffnete schon mal die Verpackung und las im Handbuch. Reisen wir noch mal 7 Jahre zurück in die Vergangenheit, als ich meine SNES zum Geburtstag bekam, erleben wir eine ähnliche Situation mit Super Mario World. Für einen Gamer (so wie ich ihn sehe und womit ich mich identifiziere) gab es nicht schöneres, als das neue Spiel auf das man sich schon wochenlang gefreut hat, zu öffnen, sich alles anzugucken, dann erst zu spielen und zum Schluss ins Regal zu all den anderen Modulen und Discs zu stellen. Wenn man sich heute überhaupt noch die Mühe macht, eine boxed Version zu kaufen, kann man froh sein, dass da mehr als nur ein Downloadcode und Werbung für die nächsten sechs DLCs zu finden ist. Irgendwie traurig oder?

Es ist natürlich alles einfacher geworden. Man braucht keine neuen Regale, wenn das alte schon mit Hüllen überquillt, höchstens räumt man vielleicht zwei Dinge zu Seite um die nächste externe Festplatte anzuschließen. Im schlimmsten Fall lädt man sich die Games noch mal aus dem Netz. Aber irgendwie hat das keine eigene Identität.

Das Ausleihen ist auch nicht mehr, Weiterverkaufen sowieso nicht. Das schlimmste an der ganzen Geschichte ist aber, dass das an dem Vertrieb gesparte Geld, von den Publishern einfach verschluckt wird, anstatt die digitalen Preise dem Gegenwert einer gut gemachten Box samt Handbuch und Disc anzugleichen. 60€ für eine Neuerscheinung und ~100€ für eine ‘Collectors Edition’, wo das drin ist, was früher selbstverständlich in jeder einzelnen Box dabei war… eigentlich eine Frechheit. Dazu kommen die unfertigen Spiele, die irgendwann nach Release mehr schlecht als recht gepatched werden und natürlich die DLCs.

Auch ich habe lange gebraucht, bis sich mir die Augen geöffnet haben

Auch ich habe lange gebraucht, bis sich mir die Augen geöffnet haben

Ich habe nichts gegen einen gut gemachten zusätzlichen Content! Jedoch fällt mir auf Anhieb nichts, was ich gespielt habe und seinem Preis gerecht war. Liegt vielleicht daran, dass ich allein durch die Existenz dieser Ausgeburt abgeschreckt bin. Castlevania: Lords of Shadow hatte zwei tolle Story DLCs! Nur leider wurden sie erst aus dem eigentlichen Spiel wegen Geldmangels gestrichen und dann nachgereicht. Schade ist nur, dass wenn man die Zusatzgeschichten nicht gespielt hat, nicht nur das eigentliche Ende des Spiels verpasst, sondern auch noch die beiden Sequels einfach null Sinn ergeben. Und das ist leider kein Einzelfall!

Von Pferderüstungen will ich gar nicht erst anfangen.

Wie man sieht, bin ich kein großer Fan des digitalen Vertriebs von Videospielen. Dazu kommt noch die zwar meist unterbewusste, aber recht berechtigte Angst, dass irgendwann Steam und seine Freunde für immer offline gehen und mit ihnen meine Spiele.

 

Hier gehts zu Teil 1.1: Achievements

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Hier gehts zu Teil 1.2: Multiplayer/Coop

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Veränderung des Medienkonsums Teil 1.3 – Games: Walktroughs

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