Veränderung des Medienkonsums Teil 5 – Episodische Spiele

Veränderung des Medienkonsums Teil 5 – Episodische Spiele

Besiuk Blog, Textbeitrag 24. Juli 2015 Comments

konsumepisodenformatEndspurt! Nächste Woche gibts eine Doppelfolge und dann ist schon die GamesCom. Jetzt aber erstmal: Episodische Spiele!

Ich nannte in den letzten Wochen so viele Dinge, die mir das Gaming zwar nicht verdorben, die aber trotzdem kleine Wunden hinterlassen haben. Darum wollen wir diese Wunden dieses mal erst ein mal ein bisschen heilen lassen und kümmern uns um positive Dinge des (Gaming-)Lebens!

Episodische Spiele! Seit einigen Jahren ist dieses Konzept nicht mehr wegzudenken. Wenn ich versuche mich zu erinnern wann ich das erste mal eins gespielt habe… das ist gar nicht so lange her. Es muss ungefähr so um 2010~2011 gewesen sein. Meine erste Begegnung mit diesem Vertriebsformat war nämlich Decay auf der Xbox 360. Es ist ein kleiner Downloadtitel vom schwedischen Entwickler Shining Gate Software, der zu meiner Überraschung sich tatsächlich als ein ganz krasser Geheimtipp herausgestellt hat. Dazu aber mehr, wenn/falls wir einen Horrospielpodcast machen!

 

Bei Decay geht es unter anderem um Puppen. Ich hasse Puppen...

Bei Decay geht es unter anderem um Puppen. Ich hasse Puppen…

Nun. Was ist denn so toll an den ganzen Episodenspielen? Das hängt ganz davon ab, wann man diese Spiele spielt und in wie man sie tatsächlich konsumiert. In meinem Fall waren bei Decay schon alle Episoden da, heißt also, ich konnte alles am Stück spielen und habe nicht viel von den (meist relativ langen) Pausen zwischen den Episoden mitbekommen. Diese Pausen können sich verschiedenst auf den Spieler auswirken! Da ich sie bei Decay nie erlebt habe, müssen wir uns eine Beispiel suchen, bei dem wir alle mitreden können. The Walking Dead!

An die zwei übrig gebliebenen Leute auf dieser Welt, die keine Ahnung haben was Walking Dead ist: Geht bitte! Geht und schämt euch! Der Rest ist hoffentlich noch hier.

Als die erste Episode von TellTale’s The Walking Dead in 2012 erschien, waren wir alle baff. Jeder der es gespielt hatte, wusste erst nicht was er davon halten soll. Nachdem wir aber Gleichgesinnte gefunden hatten und uns mit denen über die Story und die (auch wenn oft nicht ganz sehr Wirkungsvollen) Entscheidungen ausgelassen hatten, wurde uns bewusst wie wichtig dieser Titel war. Wir wollten mehr! Zwei Monate mussten vergehen bis es weiter ging und der Teufelskreis ging von vorn los. Spannung, Drama, Angst, Gespräche mit anderen Spielern und dann wieder die Warterei.

An dem Punkt bin ich ausgestiegen. Ich versprach mir selbst, das Ganze auch als ein ganzes Erlebnis zu erleben, denn diese Pausen haben mich fertig gemacht. Ich bin sowieso sehr anfällig für Cliffhanger und TellTale weiß genau wie man solche Leute wie mich an den Haken kriegt. Als dann alle fünf Episoden da waren, habe ich sie mir noch mal als Bundle gekauft und dann am Stück durchgespielt.

Selten waren mir Charaktere in einem Videospiel so wichtig wie hier!

Selten waren mir Charaktere in einem Videospiel so wichtig wie hier!

Einerseits war das sehr angenehm, denn ich konnte entscheiden wann ich meine Pausen einlege und ich konnte mich auf meine Ausbildung konzentrieren, anstatt in den Prüfungen darüber nachzudenken, was ich tun hätte können um Person X vor dem Tod zu bewahren. Andererseits war es die Hölle! Als die dritte Episode kam, musste ich gefühlt zwei Wochen das Internet verlassen. Jeder Videoproduzent auf Youtube hat darüber gesprochen, jeder Podcast auch. Überall Spekulationen, Diskussionen über die Entscheidungen und mein Liebling: “Woah, ich habe Episode X gespielt, das ist so krass! Ach, du hast es noch nicht gespielt? Dann sage ich dir nichts, aber es ist so unglaublich krass!”
Die Leute hatten ja alle recht! Aber als jemand der nicht nur gegen sich Selbst, sondern noch gegen das ganze Internet kämpfen muss, um nicht gespoilert zu werden… Gar nicht so einfach wie man denkt! Mir ist es tatsächlich passiert und ich wurde über das Ende der letzten Episode gespoilert. Einen Tag bevor ich angefangen habe sie alle am Stück zu spielen.

Zu Season 2 habe ich von vorn herein gesagt, dass ich sie erst anfasse wenn alle Episoden da sind. Wie auch bei der ersten, habe ich sofort nach der Veröffentlichung von Episode 5 angefangen zu spielen… und möchte nicht mehr weiterspielen. Ich möchte nicht mehr weiterspielen, da ich dort zwischen zwei Fronten stehe und mich einfach nicht auf eine der Seiten stellen will. Bisher hat es nur Spec Ops: The Line geschafft mich überlegen zu lassen, ob ich einfach aufhören sollte.

So viele Tote... und ich bin schuld...

So viele Tote… und ich bin schuld…

Aber genug zu TWD. Man sieht schon, wenn ein Spiel gut gemacht ist, ist so ein Episodenformat sowohl ein Engels-, als auch ein Teulfelswerk. Ein weiteres Game welches mich sehr anspricht, das ich aber eben wegen der bisherigen Unvollständigkeit nicht angefasst habe, ist Life is Strange. Die Geschichte eines Mädchens mit der Fähigkeit, die Zeit um Minuten zurückzudrehen um Entscheidungen anders zu treffen. Mal wieder ein Titel den ich im Internet komplett meide. Manchmal ist es gar nicht so einfach, da die wöchentliche Formate die man gerne konsumiert, teile der Story aus dem nichts aufgreifen. Es ist echt Arbeit, dagegen anzukämpfen um nicht gespoilert zu werden.

Noch ein Episodentitel von dem ich anfangs gar nicht wusste, dass er einer ist, wäre D4: Dark Dreams Don’t Die. Wie ich schon in mehreren Podcasts gesagt habe, es ist ein sehr seltsames Spiel. Seltsam aber sehr gut! D4 ist in Prolog und zwei Episoden unterteilt, die beim ersten durchspielen schon jeweils ihre zwei Stunden in Anspruch nehmen. Das große Problem dieses Spiels ist aber, dass nach einem ganz krassen Cliffhanger in Episode 2 die Credits rollen, gefolgt von dem Achievement: “Season One completed”. Sofort im Anschluss geht das Spiel aber weiter. Alles kommt einem sehr bekannt vor, wie eine art Traumsequenz. oder Flashback. Leider stellt sich heraus, dass es einfach wieder der Prolog ist. Eine Season 2 ist zwar geplant, aber nur umsetzbar wenn sich D4 genug verkauft. Da der Titel vor einigen Wochen bei XBL-Games with Gold kostenlos zu haben war, werde ich wohl nie herausfinden wer dieser D ist…

Wohl oder übel, müssen wir uns doch damit abfinden, dass ein Episodenformat echt was tolles sein kann, aber auch ebenso gefährlich für die Entwickler und vielleicht (wie im Fall von D4) sehr unbefriedigend für den Endverbraucher. Wenn solch nischige Spiele sich nicht gut genug verkaufen und die Produktion der nächsten Episoden eingestellt wird, ist es zwar traurig aber auch irgendwie nachvollziehbar. Wenn aber die Konsumenten auf etwas warten und warten, und am liebsten ihr Geld ins Discdrive stecken würden, um die Produktion voranzutreiben, der Entwickler aber einfach nicht darauf reagiert… Das ist eine ganz andere Sache. Half-Life 2: Episode 3 meine Damen und Herren.

Ziehen wir mal schlussendlich mal ein Fazit. Was haben wir vom Episodenvertrieb? Im Endeffekt sind wir – die Konsumenten – eigentlich nur drauf gespannt, was als nächstes kommt. Es fördert die Communitybildung durch den Redebedarf, was aber auch sehr gefährliche Spoiler hervorbringen kann. Die Entwickler haben mehr Zeit um ihre Geschichten auszuarbeiten aber auch keine finanzielle Sicherheit. Alles Vor- und Nachteile. Wie immer eigentlich. Die namensgebende Frage meines Formats stellt sich trotzdem. Wie verändert sich dadurch unser Konsum?

Im Großen und Ganzen, hängt das ganz vom Spieler ab. Die Spieler die Episoden sofort kaufen, für die ist es als ob alle paar Monate Sequels zu ihren Spielen kämen. Die die warten, kaufen sich ein ganzes Spiel, welches sich vielleicht wegen den Episoden Rück- und Vorschauen ein wenig seltsam Spielt. Das einzige Problem ist, dass die erstgenannte Gruppe, der anderen durch Spoiler einiges kaputt machen kann.

Bei so einem zweischneidigen Schwert, kann ich mich wie schon bei TWD und auch Spec Ops nicht entscheiden, ob ich das ganze gut, oder schlecht finde. Darum bitte ich nur die Leserschaft: Gebt Acht auf die anderen und verdirbt den anderen nicht ihren Spaß!

 

Hier gehts zu Teil 1.1: Achievements

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Hier gehts zu Teil 1.2: Multiplayer/Coop

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Veränderung des Medienkonsums Teil 1.3 – Games: Walktroughs

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ddd

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