Veränderung des Medienkonsums Teil 6 – Kritische Beziehung zu Entwicklern

Veränderung des Medienkonsums Teil 6 – Kritische Beziehung zu Entwicklern

Besiuk Blog, Textbeitrag 31. Juli 2015 Comments

konsumassholedevsVon einem komplizierten Thema in das nächste! Letzte Woche konnte ich mich nicht entscheiden, ob die episodische Entwicklung so gut für uns Gamer ist, heute habe ich ein Problem mit zu viel Meinungsfreiheit. Uj, ich sehe schon, das wird interessant!

Meinungsfreiheit. Sie ist bei uns ein Grundgesetz und eigentlich nicht wegzudenken. Jedoch was wir dürfen und was zum gesunden Menschenverstand gehört, sind zwei verschiedene Dinge. Viele Menschen verstehen genau diesen Unterschied nicht, jedoch ist das in deren Fall meist relativ egal, da sie vereinzelnd aufkommen und selten so viel Einfluss haben, dass sie auch tatsächlich von einer Menge gehört werden. In den Zeiten der durchs Internet vernetzten Kommunikation, ist es eh üblich, dass viele Idioten ihre Meinung ins Internet herausposaunen. Was ist aber, wenn ein Developer eine Kontroverse Einstellung hat und diese ohne mit der Wimper zu zucken in die Tasten hämmert, oder in einem Interview ins Mikro schreit?

Lustigerweise war dieses Thema exakt für dieses Datum geplant und als ob das Universum wüsste, dass ich darüber schreiben möchte, hat es mir direkt eine perfekte Situation geschenkt. Die Rede ist von Randy Pitchford. Vor ein paar Tagen hatte sich Eurogamer den lieben Chef von Gearbox ins Interview eingeladen um ihn ein bisschen zu Aliens: Colonial Marines auszufragen. Warum gerade Colonial Marines? Ihr habt doch bestimmt von der Downgrade-debatte über diesen speziellen Titel gehört. Dieser wurde erst auf der E3 2011 mit einer grandios aussehenden Gameplaydemo vorgestellt, dann in 2012 mit einem ebenfalls wunderschönen Trailer gezeigt. Das alles, um im Februar 2013 ein hässliches und mit einer unglaublich dummen KI bestücktes Spiel auf den Markt zu werfen. Der gute Randy verteidigt dieses Komplettdowngrade mit dem mächtigsten Wort eines Entwicklers: “Designentscheidung”. Wenn ich mich dazu entscheide, aus einem Strategiespiel einen Shooter zu machen (Halo sagt Hallo!), ist das eine Designentscheidung, nicht aber grafische Effekte wegzulassen mit denen geworben wurde, oder die KI noch blöder zu machen als sie schon ist. Im Endeffekt grenzt so was schon an Betrug, welcher eigentlich gefahndet werden sollte. False Marketing ist hier das Stichwort.

Was der Randy aber für einen Stuss von sich gibt, ist aber für uns informierte Gamer garnicht so interessant, denn wir wissen meistens was auf uns zu kommt, teilweise Wochen vor dem eigentlichen Release eines erwarteten Titels. Leute die weniger Gamingversiert sind, tun mir da schon eher leid, denn die werden einfach abgezockt. Vielleicht kapiert der Herr Pitchford einfach nicht, was eine Designentscheidung eigentlich ist.

Gamedesigner von denen man eigentlich dachte sie seien klar im Kopf, sich aber auch als Verrückte oder schlicht und einfach Arschlöcher herausstellen, gibt es leider auch wie Sand am Meer. Eine Person die generell ein gutes Ansehen in der Branche hat(te), ist der Kopf hinter Titeln wie Unreal und Gears of War. Beides Spiele die mich nie wirklich interessiert haben, aber wichtige Bausteine in der Geschichte unseres Hobbies sind. Cliff Bleszinski – heute der Chef von Boss Key Productions – hat zwar was auf dem Kasten, wenn es Entwicklung betrifft, jedoch ist seine Grundeinstellung nicht nur kontrovers, sondern auch einfach unter aller Sau.

Zu Beginn der Always On – Debatte der Xbox One, meldete sich nämlich der genannte Herr aus dem nichts auf Twitter:

Schön von der eigentlichen Problemstellung ablenken...

Schön von der eigentlichen Problemstellung ablenken…

 

Damit verteidigte er, das von (damaligen Chef der Xbox-Sparte) Don Mattrick getätigte Statement, Spieler mit schlechter Internetanbindung sollen sich gefälligst eine Xbox 360 kaufen, die sei eine Offline-Konsole. Nicht nur, dass Mattricks Aussage mit der 360 eigentlich eine große Lüge ist, da das Gerät ohne Onlineverbindung den großteil seiner Funktionen verliert, sondern auch ein großer Tritt in die Weichteile aller Fans. Zu versuchen den negativen Aufschrei von denen abzulenken, die überhaupt auf die Idee kamen die Spieler auszuschließen, und auf die lückenhafte Internetinfrastruktur zu lenken ist eine Frechheit. Dazu kommt noch, dass solche Aussagen dem Marketing nicht unbedingt helfen. Wir haben daraus gelernt. Viele Spieler sind von der Xbox 360 beim Generationswechsel auf die PS4 umgestiegen und Don Mattrick wurde gefeuert.
Cliff Bleszinski hatte die Wut der Konsumenten nicht verstehen können und ließ sich auf seinem Blog dazu aus. Der Artikel mit dem Namen “Deal with it!” ist aber mittlerweile gelöscht, doch der Bleszinski verteilt Trotzdem immer und immer wieder Seitenhiebe richtung Fans. Was er davon hat, weiß keiner. Wahrscheinlich wird dadurch nur sein Ego größer. Als das nicht schon groß genug wäre…

Ein anderer Entwickler, der vom kleinen Communityliebling zum Arschloch Nr. 1 mutierte, ist Phil Fish. Ich denke, den Leuten die zumindest ein wenig mit der Indie-Szene vertraut sind, ist der Name ein Begriff. Phil Fish entwickelte nämlich das 2012 erschienene FEZ. Da die Entwicklung durch persönliche Probleme mit seinem Geschäftspartner sehr dramatisch verlaufen ist, war die Geschichte eine perfekte Story für das zur selben Zeit gefilmte Indie Game: The Movie – eine Dokumentation über die Indie Entwicklung. Dort wird Fish’s Geschäftspartner als ein Arschloch dargestellt. Es wird dem Zuschauer suggeriert, dass Fish der Good Guy in der jeweiligen Situation ist. Schaut man aber hinter die Kulissen, merkt man sofort, dass er das Riesenarschloch ist.

Dazu kommen noch Tweets wie dieser hier:

Kontext: https://www.youtube.com/watch?v=Lm5Lnei4S6M

Kontext: https://www.youtube.com/watch?v=Lm5Lnei4S6M

 

Ihr fragt euch bestimmt, was diese blöden Aussagen eigentlich mit unseren Konsum zu tun haben sollen? Es kann uns doch völlig egal sein, was die von sich geben, solange die Spiele gut sind. Dem stimme ich auch zu. Jedoch kann ich es persönlich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, solchen Leuten mein Geld in die Taschen zu stecken. Es klingt vielleicht ein bisschen scheinheilig, aber ich bin tatsächlich einer, der versucht “das Gute” zu unterstützen und “das Böse” zu bekämpfen. Ob nach Activisions neulichen Deal mit RedBull und GameStop oder Dingern wie #gamergate. Wir sollten uns echt Gedanken machen, ob wir ein ordentliches Produkt auf den Tisch bekommen wollen, oder ob wir Opfer von Verarschung und generell an der Nase herum geführt werden. Gaming ist ein Hobby welches in der Gesellschaft zwar an Bedeutung gewonnen hat, jedoch aber immer noch nicht ernstgenommen wird. Die selben Leute die mich mit meiner Einstellung auslachen, meckern über Tom Cruise’s Verbindungen zur Sciencetology, oder Mel Gibson’s Antisemitismus. Sie schauen ihre Filme nicht, um sie nicht zu unterstützen. Man sollte echt immer abwegen, ob es tatsächlich wert ist, die paar Stunden Spaß zu haben, gleichzeitig aber jemanden zu Supporten, dem man eigentlich keine Bühne bieten sollte.
Das Gewissen wird dann noch unruhiger, wenn es ein Produkt ist, welches tatsächlich qualitativ hochwertig ist, oder einfach eine Herzenssache.

Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich auch hier nicht welcher der richtige Weg in so einem Fall ist. Ich persönlich bekämpfe “das Böse” in dem ich Leute informiere, denn Informationen sind oft genau so viel wert wie Geld! Was ihr mit den Informationen macht, liegt ganz bei euch!

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